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Rio will Bewohner von Favelas umsiedeln

Unwetterfolgen sollen sich nicht wiederholen

  • Von Andreas Knobloch
  • Lesedauer: 2 Min.
Die Bewohner der Favelas in Rio de Janeiro sollen durch Umsiedlungen künftig besser vor Unwettern geschützt werden, die jüngst über 200 Menschenleben gefordert haben.
Auf der Suche nach Verschütteten
Auf der Suche nach Verschütteten

Die Umsiedlung von Favelabewohnern in Rio de Janeiro hat inzwischen einen rechtlichen Rahmen. Gouverneur Sérgio Cabral setzte ein Dekret in Kraft, durch das ein Programm »Morar Seguro« (Sicher Wohnen) ins Leben gerufen wurde. Die Risikozonen werden demnach in drei Kategorien eingeteilt. Wer in einem Gebiet der höchsten Gefährdungsstufe lebt, ist aufgefordert, sein Haus sofort zu verlassen. Im Falle einer Weigerung wird die Polizei zur Räumung eingesetzt. Eine Milliarde Reales (417 Millionen Euro) stellt die Regierung des Bundesstaates für den Bau neuer Wohnungen zur Verfügung. Bis die zur Verfügung stehen, übernimmt der Staat anfallende Mietkosten.

Nach Angaben der Feuerwehr starben im Großraum Rio durch Erdrutsche, die von den heftigsten Regenfällen seit mehr als vier Jahrzehnten ausgelöst wurden, insgesamt 229 Menschen. Die Stadtverwaltung schätzt, dass allein der Wiederaufbau zerstörter Gebäude und der Infrastruktur zwischen 200 und 250 Millionen Reales (80 bis 100 Millionen Euro) kosten wird. Der geplante Neubau von Wohnhäusern ist in dieser Summe noch nicht enthalten.

Schon vor dem Dekret hatte die Stadtverwaltung begonnen, die Bewohner von acht Favelas zu evakuieren und einsturzgefährdete Häuser zu zerstören. Insgesamt waren zunächst 3600 Familien von den Umsiedlungen betroffen. Einige erhalten Wohnungen auf dem früheren Gefängnisgelände von Frei Caneca im Zentrum der Stadt.

Zu den Umsiedlungen gibt es nach Expertenmeinung keine Alternative, allerdings bedürfe es weiterer Maßnahmen, damit die Betroffenen nicht wieder in Gebiete zurückkehren, wo »wilde« Bautätigkeit ihr Leben gefährdet. Einige Favelas sind zum Teil auf ehemaligen Müllkippen errichtet.

»Das grundlegende Problem dieses Programms ist sein Notplan-Charakter; es bräuchte ein nachhaltigeres Programm«, glaubt der Geograf Prof. Jailson de Souza, Koordinator der Nichtregierungsorganisation Observatório das Favelas. Er befürwortet örtliche Evakuierungen, lehnt aber die Umsiedlung ganzer Favelas ab. Eines der größten Probleme könnte sein, dass die Bewohner nach Verlassen ihrer alten Wohngegenden weder Arbeit noch Kindergärten oder Schulen fänden. »In der Vergangenheit ist genau das geschehen: Die Bewohner sind umgezogen, haben aber später ihre neuen Häuser verkauft und lebten danach in viel schlechteren Verhältnissen als zuvor«, gab Souza zu bedenken. Ähnlich äußert sich der Stadtplaner Pablo Benetti: Vor allem der öffentliche Transport sei wichtig, zumal sich viele Favelabewohner Fahrkarten nicht leisten können.

Nach Schätzungen der Stadtverwaltung sind in Rio de Janeiro rund 10 000 Häuser in geologisch riskanten Gebieten errichtet. Bis 2012 sollen sie beseitigt sein – um eine ähnliche Tragödie in Zukunft zu verhindern, aber auch als Teil der Umgestaltung der Stadt im Hinblick auf Olympische Spiele und Fußballweltmeisterschaft.

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