Werbung

Und tschüss, die Dame

Die CDU-Landespolitik ist eine Show der Polit-Diven geworden

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.
Johanna Wanka (l.) begrüßte gestern Saskia Ludwig. Fotos: dpa/Bachmann
Johanna Wanka (l.) begrüßte gestern Saskia Ludwig. Fotos: dpa/Bachmann

Dass es Zeitungen gab, die von »Flucht« sprechen, scherte Johanna Wanka wenig. Die CDU-Fraktionschefin wechselt ins niedersächsische Kabinett. Harte Nachfolgekämpfe in der märkischen CDU zeichnen sich schon ab. Sie tragen weibliche Gesichter.

»Tag, die Herren«, stand auf dem Plakat, mit dem Johanna Wanka vor einem guten halben Jahr die Wähler überzeugen wollte, CDU zu wählen. Gemeinsam mit der Kreischefin von Potsdam-Mittelmark, Saskia Ludwig, und der Potsdamer CDU-Kreisvorsitzenden, Katherina Reiche, warb die 59-Jährige kokett und vergeblich mit dem eigenen Bild. Denn wieder gelang es der CDU nicht, die 20-Prozent-Hürde zu überspringen. Bei den Potsdamern hießen sie nach der Plakat-Aktion die drei Damen vom Grill. Zu allem Übel entschied sich Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) auch noch für die LINKE als Koalitionspartner. Wanka, die vor knapp zehn Jahren noch von Jörg Schönbohm nach Potsdam geholt und Kulturministerin wurde, musste sich mit der Oppositionsrolle begnügen. Das hat ihr sichtlich wenig Vergnügen bereitet, so dass der Ruf nach Niedersachsen wohl wie eine Erlösung erschien.

Zur Nachfolgerin der Fraktionschefin Wanka wurde gestern eine andere Plakat-Größe ausgerufen, die Abgeordnete Ludwig. Ein bezeichnendes Hin und Her, denn Ludwig war im Herbst schon einige Monate lang Chefin der Landtagsfraktion, bis klar war, dass es für Johanna Wanka im brandenburgischen Kabinett keinen Ministerjob mehr gab. So musste Ludwig zurücktreten und der Landeschefin den Vortritt lassen. Diese Einsicht in die Notwendigkeit wird nun belohnt. Der geschäftsführende Landesvorstand empfahl gestern nicht nur ihre Wahl zur neuen Fraktionschefin am kommenden Dienstag – Ludwig soll Wanka auch in der Funktion der Landeschefin beerben. »Ich werde antreten«, verkündete gestern die hochschwangere Ludwig.

Was dieser Wechsel für die CDU und ihre Basis bedeutet, ist noch völlig unklar. Johanna Wanka galt als Garantin für einen mühsam erreichten und halbwegs gefestigten inneren Frieden. Nach jahrelangen gnadenlosen Kämpfen zwischen dem Petke- und dem Junghanns-Lager übernahm sie die Leitung. Die inneren Kämpfe gingen zwar weiter, drangen aber nicht mehr so ungehemmt nach außen. Was aber, fragen sich viele ängstlich, wenn die Konsens-Königin fort ist?

Äußerlich wäre damit der Sieg des Petke-Lagers vollständig. Dabei ist es einfach nur übrig geblieben. Die Gruppe um Junghanns hat sich personell gleichsam verflüchtigt: Junghanns selbst ist nicht mehr zu sehen, Ex-Innenminister Jörg Schönbohm, der Junghanns gegen Petke unterstützt hatte, ist im Ruhestand und machte gestern als Ehrenvorsitzender gute Miene zu diesem Spiel. Der einstige Fraktionschef Thomas Lunacek ist weg, und Ex-Justizministerin Beate Blechinger, weiter Abgeordnete, spielt im Machtgefüge keine Rolle mehr.

Und selbst wenn es ein Sieg wäre – erkauft wäre er mit neuen Friktionen, die nun das erfolgreiche Lager durchziehen. Auf dem Damen-Plakat prangte nämlich eine vierte brandenburgische CDU-Diva nicht – die Abgeordnete Barbara Richstein. Sie musste hinter den drei anderen zurückstehen. Das ist wie mit den Feen bei Dornröschen, da sind noch Rechnungen offen. Richstein hat sich vor einigen Tagen bereit erklärt, für das Amt des Potsdamer Oberbürgermeisters zu kandidieren. Bislang waren Ludwig und Richstein im Petke-Lager vereint. Nun aber ist der Bund offenbar geplatzt. Gestern verkündete Frau Richstein, gegebenenfalls mit Frau Ludwig um das Amt des Landeschefs kämpfen zu wollen, also selbst zu kandidieren. Durchaus nicht auf das von Saskia Ludwig erwartete Kind bezogen, sprach der Abgeordnete Sven Petke selbst von einem »Generationswechsel«, der sich in der CDU vollziehe. Er weiß seine eigene Frau Katherina Reiche als Staatssekretärin im Bundesumweltministerium in sicherem Fahrwasser.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln