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Die Gesichter der Opfer von Kundus

Afghanistan-Korrespondent Reuter und Fotograf Mettelsiefen zeigen Ausstellung im Kunstraum Potsdam

Potsdam (dpa). Die genaue Zahl der Opfer des Luftangriffs im afghanischen Kundus ist nicht bekannt. Bei dem von der Bundeswehr befohlenen Bombenangriff von Kundus waren am 4. September 2009 bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden. Eine Ausstellung im Kunstraum Potsdam gibt den Opfern von Kundus nun ein Gesicht. Der Afghanistan-Korrespondent des Magazins »Stern«, Christoph Reuter, und der Fotograf Marcel Mettelsiefen zeigen von Sonnabend an bis zum 13. Juni Bilder und Texte zu dem Angriff und stellen dabei auch eigene Recherchen zum Ablauf des Luftangriffs vor.

In Dutzenden Interviews versuchten die beiden Reporter, Klarheit über die Ereignisse zu bekommen. Im Mittelpunkt ihrer Suche stand die Frage, wer bei der Attacke auf den Tanklastzug starb. Die Journalisten verglichen Opferlisten, sprachen mit Angehörigen und Ortsvorstehern, fotografierten Ausweise und Wahlunterlagen. Am Ende stand für Reuter und Mettelsiefen fest: »91 Menschen starben, männlich, vom Kind bis zum Greis.« Fast alle waren zur Furt gekommen, um ihre Kanister mit Treibstoff zu füllen. Keine Antwort fanden die Reporter auf die Frage, wer von den Toten zu den aufständischen Taliban gehörte, wer Zivilist war. In dem von den Taliban kontrollierten Bezirk Chardara gebe es »Sympathisanten, Opportunisten, Menschen, die aus Angst zu Mitläufern wurden«, sagte Reuter. »Wesen aus der Zwischenwelt der Grautöne, die in der deutschen Debatte kaum jemand wahrnimmt.« Von diesen und anderen Menschen hat Marcel Mettelsiefen, der auch für die Nachrichtenagentur dpa arbeitet, eindringliche Bilder geschaffen.

Kunstraum Potsdam, Schiffbauergasse 4d, Mi.-So. von 12-18 Uhr

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