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Willkommenskultur wäre hilfreich

Wowereit eröffnete SPD-Gesprächsreihe »Treffpunkt Integration«

  • Von Nissrine Messaoudi
  • Lesedauer: 3 Min.

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Integration ist derzeit in aller Munde. Auch bei der SPD. Nachdem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) schon vor einigen Wochen das Thema zur Chefsache erklärt hatte, eröffnete er gestern unter dem Titel »Zukunftswerkstatt Integration« im Willy-Brandt-Haus die Gesprächsreihe »Treffpunkt Integration«.

Zwei Jahre lang will sich die SPD im Rahmen der Zukunftswerkstatt diesem Thema widmen, »um die Diskussion weiterzuführen. In der Partei und über die Partei hinaus«, sagte Berlins Regierender Bürgermeister. Der Fraktions- und Landesvorsitzende der Berliner CDU, Frank Henkel, warf Wowereit vor, mit dieser Veranstaltungsreihe Symbolpolitik zu betreiben.

Wowereit hingegen betonte, dass die SPD das Thema nicht neu behandle, sondern neue Aspekte herausarbeiten möchte. Ohne Angst verschieden sein zu können sei das Ziel, das in der Bundesrepublik längst noch nicht realisiert wurde. In Deutschland könne man eine »gelungene Integration« zwar millionenfach beobachten, aber nur, wenn man mit offenen Armen empfangen werde, so Wowereit. Dabei beziehe sich die Diskussion nicht nur auf Menschen mit Migrationshintergrund, sondern auf alle, die von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen seien.

»Ob es nun der junge Türke oder die alleinerziehende Mutter aus Marzahn-Hellersdorf oder ein in Armut lebender Rentner ist, alle Gesellschaftsgruppen, die sich am Rand befinden, müssen wir fördern«, betonte Wowereit. Dabei dürfe Integration nicht zu einem Nischenthema werden. Es sei kein humanitärer Akt, sich mit dem Thema zu befassen, sondern eine dringende Notwendigkeit. Nach den zwei Jahren, wolle sich die SPD genauer positionieren und zu einem »Mentalitätswechsel« in der Gesellschaft beitragen.

Gegenseitige Beschuldigungen und eine Unterteilung in »Wir« und »Ihr« sei dabei ein großes Problem, kritisierte der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat. »Gegenseitige Anerkennung und eine Wilkommenskultur würden den Aufstiegswillen der Migranten unterstützen«, ist sich Kolat sicher. Er verwies auf Mehrsprachigkeit, die in den Schulen nicht gefördert werde. Die Unterrichtung der Muttersprache stehe dabei nicht im Gegensatz zur Förderung der deutschen Sprache. »Deutsch ist wichtig, das ist klar. Aber es geht auch um die Wertschätzung der Mehrsprachigkeit«, so Kolat.

Doch das Wort Integration hat für Menschen mit Migrationshintergrund immer einen negativen Touch. »Man hat das Gefühl, verurteilt, in Schubladen gesteckt oder auch selektiert zu werden«, erklärte Mark Terkessidis, Autor und Migrationsforscher. Die Erfahrung ver- oder beurteilt zu werden, hat der Autor selbst schon gemacht. »Als ich letztens ein Taxi nahm und mit dem Fahrer ins Gespräch kam, wunderte sich der Fahrer, wie gut ich Deutsch sprechen kann«, erzählte Terkessidis. Dass selbst die zweite oder dritte Generation der jungen Migranten in der Gesellschaft nicht als Deutsche wahrgenommen werden, zeige, dass sich noch einiges in den Köpfen der Mehrheitsgesellschaft ändern müsse.

Auch die Medien seien an dem unausgewogenen Bild über Migranten schuld. »Nur ein Prozent der Migranten arbeitet in den Medien, die sich meist auf Stereotype in der Berichterstattung konzentrieren. Terkessidis forderte eine Öffnung aller Institutionen. Besonders müssten sich Kita und Schule reformieren, um die oft angepriesene Chancengleichheit tatsächlich zu fördern. Auch die Diskriminierung junger Migranten bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen müsse eingedämmt werden, denn »Deutschland kann es sich aufgrund des demografischen Wandels nicht leisten, Jugendliche zu verlieren«, argumentierte Terkessidis.

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