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Streit ums Kreuzberger Myfest

Bereits zwei Organisatoren haben für den 1. Mai ihre Bühnen abgesagt

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Im Vorfeld des 8. Kreuzberger Myfestes brodelt es. Bereits zwei Großbühnen haben sich von dem Straßenfest zurückgezogen. Die Organisatoren der Rockbühne auf dem Oranienplatz, die seit 2003 dabei sind, gaben an, dass das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg als Veranstalter den großen Bühnen viel Geld gestrichen hätte. Zudem gehe es auf dem Myfest kaum noch um politische Inhalte, sondern vielmehr um kommerzielle Interessen, Stände und Alkohol.

Dem Rückzug der Rockbühne hat sich nun auch die »AG Kiezkultur von unten« angeschlossen. Sie ist traditioneller Unterstützer der abendlichen Revolutionären 1. Mai Demonstration und kritisierte, dass die Polizei Demonstration und Myfest voneinander trennen wolle. Ihre Bühne sei wegen des hohen Polizeiaufgebots am Kottbusser Tor in die enge Oranienstraße verlegt worden. Die AG Kiezkultur nannte das Myfest eine »durchorganisierte Inszenierung von Senat, Bezirksamt und Polizei«.

Dem Vorwurf einer Entpolitisierung des Myfestes widersprach Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne): Dort würden die Bürger auch weiterhin über politische Themen diskutieren. Ansätze dafür werde beispielsweise die Hip-Hop-Bühne »Beats against Racism« bieten, wo über das Schicksal von Illegalen in Deutschland gerappt wird.

Auch die Polizei lobte das Myfest. Denn es hätte in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, die Gewalt zumindest einzudämmen. Nach Angaben der zuständigen Polizeidirektion 5 werde man sich auf dem Fest möglichst zurückhalten. Myfest und Demonstration würden nicht voneinander abgesperrt. »Beim Straßenfest werden vormittags wenige, in den Abendstunden mehrere hundert Beamte im Einsatz sein«, sagte Polizeidirektionsleiter Bernhard Kufka.

Zur Gewaltprävention soll der Dosen- und Flaschenverkauf unterbunden werden. Trotzdem befürchtet Bezirksbürgermeister Schulz Ausschreitungen. »Diese sind vor allem dem Krawalltourismus geschuldet. Und dieses Jahr wird die Stimmung durch die Nazi-Demonstration noch zusätzlich aufgeheizt.«

Indes gießen auch CDU-Hardliner Öl ins Feuer. Sie fordern seit Wochen von der Polizei, härter durchzugreifen. Dabei hat diese längst bestätigt, jegliche Gewalt im Keim ersticken zu wollen.

Als weitere Provokation dürfte die Ankündigung von Kurt Wansner, Unions-Abgeordneter aus Friedrichshain-Kreuzberg, beim Myfest in der Oranienstraße gegen Linksextremismus zu protestieren, zu werten sein. Dort will er ab 14 Uhr gemeinsam mit seinem Kreisverband an einem Infostand Flugblätter gegen »linksradikale Gewalt« verteilen.

Walpurgisnacht und 1. Mai

30.4.:

  • Antikapitalistische Walpurgisnacht, Boxhagener Platz, 14 Uhr
  • Walpurgisnacht am Mauerpark, 16 Uhr
  • Demo »Nazikneipen dichtmachen«, Schöneweide, 17 Uhr

1.5.:

  • DGB-Demo, Wittenbergplatz, 9 Uhr
  • Myfest, Kreuzberg, 10 Uhr
  • 1. Mai-Nazifrei, Blockade gegen Nazi-Demo, S-Bahnhof Bornholmer Straße, 12 Uhr
  • Revolutionäre 1. Mai Demo, Kottbusser Brücke, 18 Uhr

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