Eine merkwürdige Ignoranz

Zur Kapitalismusfrage im Programm-Entwurf der LINKEN

  • Von Herbert Schwenk
  • Lesedauer: ca. 7.5 Min.

Die Partei DIE LINKE hat mit der Debatte um ihr Grundsatzprogramm begonnen, das sie im Herbst 2011 beschließen will. Einen ersten Höhepunkt soll die Diskussion im November dieses Jahres mit einem Programmkonvent erreichen. Neues Deutschland begleitet die Debatte – in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung – mit einer eigenen Artikelserie. Nachdem zum Auftakt einige »Offene Fragen« behandelt wurden, geht es nun mit eingeladenen Autorinnen und Autoren wie mit freien Wortmeldungen quer durch die Themen, dabei auch zu Lücken, die die bisherigen Aufsätze hinterlassen haben. Heute: Professor Herbert Schwenk, Gesellschaftswissenschaftler und Buchautor (u. a. »Die Erde ist unser aller Haus«, »Welt am Wendepunkt«), kritisiert, dass der Programmentwurf der LINKEN nur die destruktiven Seiten des Kapitalismus beschreibe.

»Macht man aber Prinzipienprogamme«, schrieb Karl Marx am 5. Mai 1875 an den deutschen Sozialisten Wilhelm Bracke, »so errichtet man vor aller Welt Marksteine, an denen sie die Höhe der Parteibewegung misst.« (MEW, Bd. 34, S. 137/38) Dies auch 135 Jahre später als Messlatte an den 1. Entwurf für ein Programm der Partei DIE LINKE gelegt, kann der Teil II »Krisen des Kapitalismus – Krisen der Zivilisation« (und nur dieser Teil kann hier Gegenstand der Kritik sein) noch nicht bestehen. Und das trotz klarer Benennung und Beschreibung wesentlicher Vorgänge um die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise und der großen Gefahren, die der zählebige und langlebige Kapitalismus zu Beginn des 21. Jahrhunderts für die Menschheit und unseren Planeten heraufbeschworen hat. Aber der Entwurf offenbart in der Kapitalismusfrage einige unerklärliche Schwächen, die sich aus einer merkwürdigen Ignoranz früherer Erkenntnisse der marxistischen Kapitalismus...


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