One-Man-Team

  • Von Gabriele Oertel
  • Lesedauer: 2 Min.

Dass die FDP in einer tiefen Sinnkrise ist, pfeifen seit Wochen die Spatzen von den Dächern. Von ihren 14,6 Prozent im Herbst 2009 ist nach acht Monaten nicht einmal mehr die Hälfte geblieben. Und Parteichef Westerwelle, der sich nach der Bundestagswahl wie ein Pfau spreizte, scheint auf Tauchstation. Derweil diskutieren die Seinen munter die Führungsverfehlungen in der Partei. Der freche Kubicki aus Schleswig-Holstein erhebt Fraktionschefin Homburger zum eigentlichen Problem der FDP. Die Jungliberalen sehen die Vizevorsitzenden am Zuge. Der vergrätzte Ex-Parteichef Gerhard moniert taktische Fehler im Umgang mit der Kanzlerin. Und der forsche Generalsekretär Lindner fordert Teamgeist ein – und jeder weiß, dass sein Chef alles, bloß eben das nicht kann. Lindners Eingeständnis, dass die Prioritäten der FDP tüchtig durcheinandergerüttelt worden sind, weshalb sie sich neu sammeln und aufbauen müsse, deutet auf einen länger dauernden Findungsprozess hin. Einzig Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hat offenbar begriffen, dass ihrer Partei die Zeit davonzurennen droht. Sie beteiligt sich nicht am Stochern im Personalnebel, sondern spricht sich für eine grundsätzlich neue liberale Agenda und das Ende der Ausschließeritis aus. Letzteres ist ein Fingerzeig an die Parteifreunde in NRW, ersteres ein verdeckter Frontalangriff auf das One-Man-Team in der Berliner Parteizentrale. Aber Westerwelle tut immer noch so, als habe er den Schuss nicht gehört.

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