Der unbeugsame Deserteur

Hoffnung mit Trotz, hundertsieben Bücher: Der Schriftsteller Gerhard Zwerenz wird morgen 85

  • Von Jürgen Reents
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.

Sein Leben sei »auf exemplarische Weise deutsch«, hat Gerhard Zwerenz im Vorwort eines seiner Bücher geschrieben. Es war unter- und übertrieben zugleich: Hätten viele, gar die meisten Deutschen wie er gelebt, wäre wohl manches anders gekommen. Zwerenz lebte immer den aufrechten Gang, scherte aus Kolonnen aus, suchte die Desertion. Er desertierte in Polen als Soldat im Hitler-Krieg. Er desertierte in Leipzig vom Stalinismus. Er desertierte aus dem bürgerlichen Literaturbetrieb der Bundesrepublik, in den er sich nach seiner Flucht aus der DDR begeben hatte.

Geboren wurde Gerhard Zwerenz am 3. Juni 1925 im sächsischen Gablenz. Sein Vater war Ziegeleiarbeiter, seine Mutter Textilarbeiterin. Bis zum Schulbeginn wohnte er bei seinen Großeltern im nahen Crimmitschau. Es waren Kindheitsjahre, die ihn nachhaltig prägten. Schon wegen eines Koffers, den er auf dem Boden seiner Großelternwohnung fand. Er gehörte seinem Onkel Otto und war randvoll ...

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