Eine schreckliche Tragödie

Der israelische Historiker Moshe Zuckermann über den Realitätsverlust von Regierung und Militär in seinem Land

Moshe Zuckermann, als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender 1949 in Tel Aviv geboren, leitete das Institut für Deutsche Geschichte an der Universität seiner Heimatstadt. Seit diesem Jahr ist er wissenschaftlicher Leiter der Sigmund Freud Privatstiftung in Wien. Mit dem Historiker sprach für ND Susann Witt-Stahl.

ND: Auch wenn der genaue Hergang des Angriffs noch nicht ermittelt ist – alles deutet zumindest auf eine unverhältnismäßige Militäraktion hin. War damit zu rechnen?
Zuckermann: Nein, es war nicht damit zu rechnen. Anders gesagt: Genau dieses Szenario hatten die israelischen Militärs, die die Aktion vorbereitet hatten, nicht bedacht. Dass man sich aber dafür überhaupt entschieden hatte, darin lag schon der Kern der Katastrophe. Auch wenn man sie so nicht gewollt hatte, war in der Fehlplanung bereits die Katastrophe angelegt.

Israels Vizeaußenminister Dany Ajalon bezeichnete die Free-Gaza-Fahrt als Verstoß gegen internationales Recht und verurteilte sie als »unerträgliche gewaltsame Provokation«. Militärsprecher Avi Benijahu bezichtigte die Aktivisten der Anwendung »präzedenzloser Gewalt« und nannte sie »Semi-Terroristen«. Diese Aussagen zeugen von schwerem Realitätsverlust, oder?
Ja, aber von Realitätsverlust ist die gegenwärtige ...

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