Werbung

»Unser Widerstand war legitim«

Türkische Aktivisten der Gaza-Hilfe: Die Waffen der ersten Angreifer flogen ins Meer

  • Von Jan Keetman, Istanbul
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die neun Aktivisten, die bei der israelischen Kommandoaktion gegen die internationale Hilfsflotte für den Gaza-Streifen ums Leben kamen, sind erschossen worden. Bei rechtsmedizinischen Untersuchungen der Leichen in Istanbul seien Schussverletzungen gefunden worden, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag.

Bei ihrer Rückkehr aus israelischem Gewahrsam in die Türkei haben Aktivisten des Gaza-Konvois den israelischen Angriff auf das türkische Schiff »Mavi Marmara« heftig kritisiert, teilweise aber auch israelische Angaben über den Hergang der Erstürmung bestätigt. Die nachhaltigste Anklage gegen Israel waren sicher die Leichname der neun türkischen Aktivisten, die bei der Erstürmung der »Mavi Marmara« ihr Leben verloren haben. Nach Angaben türkischer Gerichtsmediziner sind sie alle an Schussverletzungen gestorben. Von den 466 meist türkischen Aktivisten, die nach ihrer Freilassung von drei Flugzeugen in die Türkei zurückgebracht wurden, waren 29 verletzt. Zwei Schwerverletzte mussten in Israel bleiben.

Der Vorsitzende der Humanitären Hilfsstiftung IHH (das Kürzel IHH steht für »Mensch, Recht und Freiheiten«), Bülent Yildirim, gab an, dass noch mehrere Aktivisten vermisst würden. Der türkische Nachrichtensender CNN Türk strahlte ein Interview mit zwei jungen Männern aus, die angaben, ihr Vater bzw. Bruder seien bei dem Hilfskonvoi gewesen und sie hätten keine Nachricht von ihnen.

Die IHH war Hauptinitiatorin des Konvois. Ihr Chef Yildirim kündigte an, weitere Hilfsflottillen entsenden zu wollen. »Wir machen weiter, bis das Embargo gebrochen ist«, versprach Yildirim, der einen Schal trug, an dessen Enden jeweils eine Palästina-Fahne und ein Bild der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem abgebildet waren. Mindestens ein weiteres Hilfsschiff, das wegen Maschinenproblemen hinter die ursprüngliche Flottille zurückgefallen war, ist noch unterwegs.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat unterdessen angekündigt, auch weitere Hilfskonvois abzufangen, um die Ladung nach möglichen Waffen durchsuchen zu können. Yildirim schilderte hingegen das Verhalten der Türken auf dem Schiff »Mavi Marmara«, auf dem er selbst anwesend war, als legitimen Widerstand. Er bestätigte die israelische Darstellung, einige Passagiere seien mit Eisenstangen bewaffnet gewesen und hätten versucht, israelischen Soldaten die Waffen wegzunehmen.

Laut Yildirim wurden zehn Soldaten entwaffnet und ihre Waffen ins Meer geworfen. Die Soldaten hätten darauf erst nach 35 Minuten das Feuer eröffnet. Ein Kameramann sei angeschossen worden, weil er ein Bild machen wollte. Ein weiterer Passagier sei erschossen worden, nachdem er sich bereits ergeben hatte. Wie andere Passagiere berichtete auch Yildirim von Schikanen der Soldaten, nachdem das Schiff bereits in der Gewalt des Militärs war.

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan sagte dazu, so würden »Banditen« vorgehen. Israel missbrauche den Begriff »Antisemitismus«, um seine »Massaker« zu verdecken. Staatspräsident Abdullah Gül prophezeite, dass Israel dieses Vorgehen eines Tages bereuen werde.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!