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Um-Welt?

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 2 Min.

Die UNESCO schlägt Alarm. Die Urbanisierung in den planlos wuchernden Megacitys der Welt zerstört die Ökosysteme, verstärkt so Naturkatastrophen. Die Armenviertel klammern sich an die Metropolen, als seien es Rettungsringe. Umland stirbt. Was retten soll, wird das Unglück nur vergrößern und beschleunigen. Umland? Verräterin Sprache. Wir reden von Umwelt und sind damit kenntlich – wer »um« sagt, redet aus herrschaftlicher Mitte. Das ist es, unser wahres Verhältnis zur Natur.

Zugleich kritisiert die UNO die wachsende Hermetik der luxuriösen Gettos. Mehr und mehr verweigern uns Großstädte den emotionalen Einklang mit gebauter Welt. Wo Städte zeitgemäßen ästhetischen Reiz zeigen, beginnt man sofort zu begreifen: Das moderne Metropolis entsprang einer unnatürlichen Verbindung; die Eltern sind ein kalter, gefühlloser Mathematiker und – Alice im Wunderland. Wie jenes Land der Träume, in dem Alice umherwandert, ist die heutige Stadt ein Irrgarten des Absurden. Während sich aber Alice am Faden ihrer eigenen Fantasie vorantastet, sind die Weiten der Stadt ein Labyrinth der erstickten Fantasien. Städtische Gegenden begannen einst als Traum, anonym bleiben zu dürfen. Daraus wurde eine Welt, in der keiner mehr einem anderen wirklich begegnet. Die unzüchtige Vereinigung des kalten Mathematikers mit der kleinen Alice wird unaufhaltsam weitere Monster-Städtviertel gebären.

Angesichts dessen ist jedes Grün ein Trotz, wie ein nochmaliger, regelwidriger Schöpfungsbeginn. Just vorm Hintergrund einer weltweit betonierten Menschen-Gegend, die alles unters Gesetz der Leblosigkeit zwingt, gibt vor allem ein einziges Wesen jeglichem Dasein ein bedenkenswertes Beispiel.

Lob dem Unkraut.

Winzige Wildheit und uralte Unauffälligkeit; dreiste, elementare Nichtigkeit. Es ist der Botschafter zum Welt-Umweltttag. Niemand verlangt nach ihm – aber es wächst. Keiner schenkt ihm zusätzlichen Regen – aber es grünt. Wo Erde verwundet wurde – da blüht es zuerst. Und wer das Unkraut fürchtet – der fürchtet dessen Fruchtbarkeit

Hans-Dieter Schütt

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