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Aus dem Osten in den Fernen Osten – Beelitzer Spargel

  • Von Michael Lenz, Singapur
  • Lesedauer: 3 Min.

Das Raffles hat ihn. Das Goodwood Park Hotel auch. Das Brotzeit sowieso. Überhaupt kommt in Singapur kaum noch eines der guten Restaurants ohne ihn aus: Spargel aus Beelitz. Aber die Spargelmania in dem südostasiatischen Stadtstadt ist noch verhalten. Die meisten Restaurants beschränken sich auf eine Spargelwoche.

Nicht das Marché. Hier gibt es das feine Gewächs aus Brandenburg während der ganzen Spargelsaison, also noch bis zum Johannistag. Das ist die erste Spargelsaison in dem Restaurant mit viel Schweizer Ambiente im Keller der supermodernen Shopping Mall 313, einem der besseren Konsumpaläste in Singapurs Einkaufsmeile Orchard Road. In diesem Jahr kommt der Spargel noch aus Beelitz, geliefert von einem deutschen Großhändler in Singapur.

Im nächsten Jahr, und das ist die traurige Nachricht für Brandenburg, will das Marché auf eigene Faust frischen Spargel einfliegen. Aber der wird nicht aus Beelitz sein, sagt Roger Nagler. Der Marché-Manager druckst ein wenig herum, bevor er gesteht: »Ich komme aus Karlsruhe und bin einfach mit Bruchsaler Spargel groß geworden.« Also wird im nächsten Jahr aus verständlichem Lokalpatriotismus das weiße Edelgemüse aus dem heimischen Baden importiert.

Es ist eine Mischung aus Europäern, die in Singapur leben und arbeiten, und Einheimischen, die das mit eigens eingeflogen Wand- und Deckenstücken von Schweizer Almhütten eingerichtete Lokal besuchen. »Die Balken sind über 300 Jahre alt«, strahlt Nagler. Für die Europäer sei das Marché so etwas wie ein Stück Heimat, wo sie mal wieder heimische Kost genießen könnten, erklärt er. Für die Asiaten, in erster Linie chinesischstämmige Singapureaner, sei ein deutsches Lokal etwas Exotisches. »Die kommen zu uns, wie wir zu Hause eben mal zum Chinesen oder Japaner gehen.«

Weißer Spargel ist für die Asiaten etwas völlig neues. Also hat Nagler am Eingang zum Restaurant bunte Infotafeln aufgestellt, die über die Vorzüge und Besonderheiten des weißen Spargels aufklären. Einem Koch in einem der besseren Restaurants hatte zum Beispiel niemand gesagt, dass man weißen Spargel schälen muss. Auf den Tafeln ist auch geschrieben, dass Spargel ein gesundes, leichtes Gemüse ist. Natürlich nur solange, wie man auf die flüssige Butter als Sauce oder eine schöne, reichhaltige Hollandaise als Krönung eines königlichen Spargelfestmahls verzichtet.

Aber die asiatische Kundschaft wird auch durch die klassische »Anfixmethode« auf den großen Spargelgeschmack gebracht. So gibt es an den verschiedenen Stationen des Selbstbedienungsrestaurants immer wieder Gerichte mit Spargel. Pizza mit Spargel, Spargel-Crepe oder Cäsar Salat mit Spargel. Alles wird frisch vor den Augen des Gastes zubereitet. Auch der Spargel. Ein Koch steht den lieben langen Tag an der eigentlichen Spargelstation, die nicht von ungefähr im Mittelpunkt des Restaurants steht, schält für jede Bestellung den Spargel und kocht ihn. Das dauert gut zehn Minuten.

Aber das Warten lohnt sich. Der Spargel ist herrlich zart, die Kartoffeln sind ganz neu, die Hollandaise ist cremig und für einen Augenblick umschmeichelt im Fernen Osten ein Stück Heimat den Gaumen.

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