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Níspero, das Früchtchen

Im Hinterland der spanischen Südostküste ist die Ernte derzeit in vollem Gange

Wer in Südostspanien einen Garten besitzt, hat meist auch einen Níspero-Baum.
Wer in Südostspanien einen Garten besitzt, hat meist auch einen Níspero-Baum.

Die Plantagen sind weitläufig mit übermannshoch befestigten hellen Planen verdeckt. Hier rings um das Örtchen Callosa d'en Sarrià gedeiht im Verborgenen eine goldfarbene Frucht namens Níspero. Die »Dächer« über den riesigen Plantagen sollen übrigens weniger gefräßige Vogelscharen abhalten, sondern das feuchtwarme Klima der Region unter den Planen stabilisieren. Das tut dieser Obstsorte gut. Nachdem die hiesigen Bauern das Jahr über die Bäumchen gehegt und gepflegt haben, sind jetzt eine Menge Helfer aus anderen Provinzen in den Ortschaften zu sehen: Seit Mitte Mai ist Erntezeit, die wohl bis Ende Juni andauern dürfte.

Die seit dem Jahreswechsel ungewohnt schlechte Witterung auch im Südosten Spaniens führte nicht nur zu Verlusten, sondern verzögerte auch den Reifeprozess der Nísperos um vielleicht zwei Wochen. In der Region haben vor allem die Jüngeren unter den Einheimischen erstmals Schnee auf den Berggipfeln entlang der Flüsse Algar und Guadalest gesehen, der Hauptanbauregion der Frucht, die ansonsten in Fernost heimisch ist.

Die Nísperos sind eigenwillige Früchtchen. Anders als etwa Orangen dürfen sie erst geerntet werden, wenn sie voll ausgereift sind. Was dazu führt, dass sie innerhalb weniger Tage auf dem Markt sein müssen. Das bedarf einer ausgefeilten Logistik – wenn gepflückt, ausgewählt, nach Qualität sortiert, in Schaumstoffkisten verpackt wird, und zwar alles per Hand. Nicht lange, dann bekommen die Nísperos dunkle Flecken, die zwar zunächst weder Güte noch Geschmack beeinträchtigen, doch isst das Auge ja mit. Weswegen sie sich dann nur noch schwierig veräußern lassen. Immerhin vermag man sie noch zu Marmelade, Honig, Schnaps, Likör, Saft oder auch Konserven verarbeiten. Auch für Beläge auf Obstkuchen sind sie geeignet, nicht minder als Einlage in Sirup.

Saftig, säuerlich-süßlich, fruchtig, das Fleisch fest – das sind die Nísperos. Man zieht die Haut ab, entfernt die Kerne. Manche meinen, sie schmeckten irgendwie nach Aprikosen und Pflaumen zugleich, andere fanden eine Nähe zu Orangen heraus. Weitere wiederum denken, Nísperos sind Nísperos, man könne sie nicht mit anderem Obstsorten vergleichen. Über Geschmack lässt sich zwar bekanntermaßen nicht streiten – in diesem Falle anscheinend aber doch.

Unbestritten sollen die Vorzüge des Früchtchens sein. Die hiesige Bauernschaft wirbt mit allerhand gesundheitsfördernden Eigenschaften. Demnach soll es durch gute Verträglichkeit und wenige Kalorien bei Diäten nützen, darüber hinaus die Herzkranzgefäße schützen, Entzündungen hemmen, den Cholesterinspiegel absenken, Kreislaufbeschwerden vermindern, die Darmtätigkeit regeln und fördern.

Laut statistischen Angaben erntet man jährlich in China die meisten Nísperos. Spanien folgt mit rund 40 000 Tonnen auf dem zweiten Platz. Heuer dürften es wohl weniger sein. Und ein Gutteil davon wird in zahlreiche Länder Europas exportiert, auch nach Deutschland.

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