Bangen mit Kohlhaas

Das Tegeler Gefangenentheater »Aufbruch« versuchte sich an Heinrich von Kleist

  • Von Tom Mustroph
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.
Erschöpfter Wüterich: Kohlhaas im Gefängnis

Das Gefangenentheater Aufbruch zettelt mal wieder eine Rebellion an. Dieses Mal greift die Truppe um den Regisseur Peter Atanassow dabei auf den bürgerlichen Trotzkopf Michael Kohlhaas zurück. Der geriet in Zorn über seine adlige Obrigkeit, weil einer ihrer Protagonisten ihm eine ungebührliche Extrasteuer abverlangte, dabei sein Eigentum – ein paar Rosse – zuschanden machte und auch die darüberliegende Hierarchieebene dieses Unrecht nicht aus der Welt schaffte. Kohlhaas ist kein Revolutionär. Er stellt sich nicht fundamental gegen die Ordnung – obwohl die im gerade zu Ende gegangenen Bauernkrieg zwar furchtbar gezüchtigten, aber auch ihrer eigenen Stärke gewaltig bewusst gewordenen Volksmassen ihn in ihrer Sehnsucht auf ein besseres Leben anhimmelten wie die heutigen Massen die Popstars.

Auf der von massigen Klinkerbauten verriegelten Freifläche der Justizvollzugsanstalt Tegel liefert das Kleistsche Stück den Rahmen, ...


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