Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Staatswald oder Privatwald?

Ungewöhnlicher Frontverlauf zwischen Naturschützern in Nordrhein-Westfalen

  • Von Benjamin Haerdle
  • Lesedauer: 2 Min.
Verarmter Baumartenbestand, verdichtete Waldböden, überhöhte Schalenwildpopulationen, zu wenig Forstpersonal – das Bild, das der Landesverband Nordrhein-Westfalen des Naturschutzbundes (NABU) von den landeseigenen Wäldern zeichnet, ist kein schönes. Doch nun soll alles besser werden.
Beim Blick in die Wipfel ist der nordrhein-westfälische Staatswald in Ordnung. Doch Artenvielfalt sucht man oft vergebens.  Foto: dpa
Beim Blick in die Wipfel ist der nordrhein-westfälische Staatswald in Ordnung. Doch Artenvielfalt sucht man oft vergebens. Foto: dpa

Der NABU NRW plädiert dafür, den 116 000 Hektar großen Staatswald privatisieren zu lassen. Statt des für die Staatswälder zuständigen Landesbetriebs Wald und Holz könne künftig eine Bürgerwald-Aktiengesellschaft (AG) die landeseigenen Wälder betreuen, heißt es in dem Bürgerwaldkonzept. Geschrieben hat die Studie im Auftrag des NABU der ehemalige Leiter der Obersten Naturschutz- und Forstbehörde des Saarlands, Wilhelm Bode.

Der NABU setzt dabei auf das Betriebsmodell des Dauermischwaldes. Das ist ein aus vielen einheimischen Baumarten bestehender Wald, der ohne den Einsatz von Pestiziden und Dünger möglichst bodenschonend genutzt werden soll. Auf Kahlschläge will der NABU verzichten. Neu ist das Modell laut der Naturschutzorganisation nicht, es werde in großen Privatwäldern bereits erfolgreich angewandt. Mit dem naturnahen Dauerwald ist laut Bodes Gutachten auf den etwa 91 000 Hektar Wirtschaftswald eine jährliche Rendite von bis zu vier Prozent möglich. »Bürger könnten dann ab 1000 Euro Anteile erwerben, quasi als Art Volksaktie«, sagt der NABU-Landesvorsitzende Josef Tumbrinck. 20 Prozent der Aktien sollen einer noch zu gründenden Stiftung Naturerbe NRW übertragen werden. Sie soll über eine Sperrminorität dem Naturschutz abträgliche Satzungsänderungen verhindern. Die Stiftung wäre laut Gutachten zugleich für die restlichen rund 25 000 Hektar des bisherigen Staatswaldes verantwortlich, die gar nicht mehr bewirtschaftet werden sollen.

Der NABU hofft, über die Bürger-AG den Landeswald finanziell rentabler und zugleich ökologischer bewirtschaften zu können. »In NRW hat der Staatswald von allen Waldbesitzarten den höchsten Einschlag«, kritisiert Tumbrinck auch kurzfristige politische Entscheidungen, wie etwa den Verkauf von Staatswald. Für den NABU-Landesverband ein Paradigmenwechsel: Seitdem wähnt er den Staatswald und die darin liegenden Schutzgebiete beim Land nicht mehr in sicheren Händen.

Nun wird das NABU-Konzept heftig diskutiert und kritisiert. Der BUND-Landesvorsitzende Paul Kröfges ist gegen die Privatisierung, weil private Investoren primär immer an einer Gewinnmaximierung interessiert seien, die dem Schutz der Wälder entgegenstehe. Kröfges: »Bis zu zwei Prozent Rendite ist möglich. Alles, was darüber liegt, ist Raubbau«. Das sieht der Bund Deutscher Forstleute ähnlich: »Wälder in privatem Eigentum dienen vorrangig einem positiven Betriebsergebnis«. Die Landespolitik reagiert uneins. SPD und FDP gelten als Befürworter der Privatisierung, CDU und Grüne tendenziell als Gegner. Johannes Remmel, umweltpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, sieht die »größten Gestaltungsmöglichkeiten für eine naturnahe Waldbewirtschaftung und den Erhalt der Biodiversität bei Wäldern im öffentlichen Besitz«. Das NRW-Umweltministerium will das Gutachten erst noch auswerten.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln