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Massenbesäufnis als rechte Provokation

In einem islamisch geprägten Pariser Viertel sollten Zusammenstöße provoziert werden

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.

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Zu den sympathischen Attributen des französischen Lebensstils gehört der Aperitif. Am frühen Abend im Bistro oder zu Hause getrunken, bildet er die Brücke vom Arbeitstag zum Feierabend, soll den Appetit anregen und die Sinne für das Abendessen einstimmen, das für Franzosen mehr ist als nur Nahrungsaufnahme. In den letzten Monaten hat sich jedoch eine neue Form des »Apéro« entwickelt, die Besorgnis erregt.

Mittels moderner Kommunikationskanäle und »sozialer Netzwerke« im Internet wie Facebook oder Twitter werden seit einiger Zeit junge Franzosen zu »Massen-Aperitifs« eingeladen, die dann nicht selten zu Massenbesäufnissen ausarten. Die kommunalen Behörden und die Polizei stehen dem neuen Phänomen meist hilflos gegenüber. Sie können sich an keine Organisatoren halten, um Verbote auszusprechen, denn der Aufruf wird in der Regel anonym ins Netz gestellt. Die ursprüngliche Idee, dass auf diese Weise junge Leute zwanglos zusammenkommen und neue Freunde kennenlernen können, ist längst auf der Strecke geblieben.

Auch die von Soziologen und Psychologen in die Debatte geworfenen Überlegung, dass es sich hier um den Versuch handeln dürfte, die Verunsicherung durch die Krise und die Zukunftsangst im Kreis von Betroffenen gemeinsam zu »ertränken«, dürfe heute nicht mehr das Primäre sein. Inzwischen geht es fast nur noch um die Provokation und den Masseneffekt.

Bis zu 12 000 Menschen kamen bei solchen Trinkgelagen unter freiem Himmel schon zusammen, ob in Montpellier oder Caen, in Brest oder Rennes, in Toulouse, Quimper, Compiègne und selbst in der Kleinstadt Aubenas. Einen tragischen Höhepunkt bildete Mitte Mai ein »Apéro« in Nantes, zu dem nahezu 10 000 Menschen kamen und alkoholische Getränke mitbrachten. Hier stürzte gegen Mitternacht am Bahnhof ein volltrunkener Student über das Geländer einer Treppe und brach sich sechs Meter tiefer das Genick.

Aber auch dieser erste Todesfall konnte die Lawine nicht stoppen. Für den letzten Maisonntag riefen Unbekannte übers Internet zu einem »Massen-Apéro« auf dem Marsfeld am Pariser Eiffelturm auf, dessen Teilnehmerzahl alle Rekorde brechen sollte. Im Innenministerium wurde ein Krisenstab einberufen, und der Minister verhängte ein Verbot, das mangels Adressaten über die Medien bekannt gemacht wurde. Dies und das halbe Dutzend Polizeihundertschaften, die am Marsfeld Stellung bezogen, sorgten dafür, dass zum angegebenen Zeitpunkt vor Ort nur wenige Jugendliche mit Alkohol unterm Arm auftauchten und der Rekordversuch praktisch im Keim erstickt wurde.

Doch in dieser Woche sollte in Paris erneut ein »Massen-Apéro« stattfinden – im Stadtviertel Goutte d’Or, das mehrheitlich von Nordafrikanern und Franzosen arabischer Herkunft bewohnt wird. Hier sei nicht mehr Frankreich, denn es gelten die Regeln des Islam und die werden handgreiflich durchgesetzt, etwa gegenüber Frauen, die kein Kopftuch tragen, meinen die anonymen Initiatoren der Veranstaltung. Den Zeitpunkt für das Treffen, den 18. Juni, hatten sie bewusst gewählt. Es ist der 70. Jahrestag des Aufrufs zum Widerstand, den General de Gaulle über die BBC in London an seine Landsleute in dem gerade von faschistischen deutschen Truppen besetzten Frankreich richtete. »Heute muss wieder Widerstand geleistet werden – gegen das Vordringen des faschistoiden fundamentalistischen Islam«, meint auf dem Internetforum des geplanten Treffens einer der 3000, die schon ihr Kommen angekündigt haben. »Wir müssen demonstrieren, dass auch das Pariser Viertel Goutte d’Or Frankreich ist und dass sich Ausländer an die Gesetze und Regeln ihres Gastlandes zu halten haben«, erklärt ein anderer. Doch die »Empfehlungen« der Organisatoren im Internet zeigen, dass hier tatsächlich eine Provokation geplant war, indem Trink- und Essregeln des Islam bewusst verletzt werden und so gewalttätige Zusammenstöße in Kauf genommen werden oder gar erwünscht sind.

Am Dienstagabend kam indes die Nachricht, dass der öffentliche Umtrunk unter dem Motto »Wurst und Wein«, der genau zum Freitagsgebet in der Nähe einer Moschee stattfinden sollte, verboten worden ist.

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