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Mord am Nürburgring

Kurt Beck stellt einen Krimi zu einem Skandal vor, in den auch seine Regierung involviert ist

Rheinland-Pfalz hat einen neuen Heimat-Krimi: Mit einer Startauflage von 80 000 Exemplaren kam gestern das Buch »Die Nürburg-Papiere« des Eifelkrimi-Erfinders Jacques Berndorf in die Buchhandlungen. Ort der Präsentation war ausgerechnet die Staatskanzlei in Mainz. Die Landes-CDU wirft der SPD-Regierung unter Kurt Beck vor, in der schwelenden Nürburgring-Affäre versagt zu haben.

Mainz (dpa/ND). Bei der Vorstellung des neuen Eifel-Krimis »Die Nürburg-Papiere« von Jacques Berndorf hat der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) eine Wette bekannt gegeben. Falls der umstrittene Ausbau des Nürburgrings auch in fünf Jahren noch »ein schwieriges Szenario« sei, bekomme der Krimiautor »fünfmal zwölf Flaschen besten Ahr-Rotwein«, kündigte Beck am Dienstag in Mainz an. Werde der neue Freizeitpark an der Rennstrecke in der Eifel jedoch ein Erfolg, dann schreibe Berndorf in fünf Jahren einen weiteren Krimi rund um den Nürburgring. Die neuen »Nürburg-Papiere« mit mehreren Toten bezeichnete der Regierungschef als ein »wirklich spannendes« Buch.

Roman als Parallelwelt

Das Buch kam gestern mit der sehr hohen Startauflage von 80 000 Exemplaren in die Buchhandlungen. Für die »Die Nürburg-Papiere« gibt es bereits 60 000 Vorbestellungen, wie der KBV-Verlag in Hillesheim in der Eifel mitteilte.

Dass Beck die Buchvorstellung vornahm, sorgte für Aufsehen: Der SPD-Politiker hat als Regierungschef den Nürburgring-Ausbau vorangetrieben, dessen Privatfinanzierung 2009 spektakulär scheiterte. Der frühere »Spiegel«-Autor Berndorf dagegen hat den neuen Freizeitpark als überdimensioniert und zu teuer kritisiert. Längst beschäftigen sich die Staatsanwaltschaft Koblenz und ein Untersuchungsausschuss des Landtags mit der Affäre rund um mutmaßlich betrügerische Geschäftsmänner, die Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) im vergangenen Jahr den Job kostete.

In Berndorfs neuem Buch geht es allerdings nicht um öffentlich bekannte Figuren, sondern um Personen »im Privatbereich«, wie der Autor sagte.

Allerdings betonte Berndorf, der eigentlich Michael Preute heißt und die Eifel zu seiner Wahlheimat erkoren hat, auch: »Romane sind immer Parallelwelten.« Da ist zum einen der Täter, der auf der Seite der GmbH am Nürburgring steht, »weil er glaubt, sie sei die einzige Ordnungsmacht in der Eifel«. Dafür geht er über Leichen.

Zwei Bauern sterben

Unter anderem müssen zwei Bauern sterben, die schon immer gegen den Ausbau der legendären Rennstrecke waren. Sowie ein Unternehmer und eine junge Frau, »die dem Täter aufgrund von moralischen Grundsätzen missfällt«, sagte Berndorf, der vor 20 Jahren mit seinem ersten Eifel-Krimi »Eifel-Blues« auf den Markt gekommen war.

Nach monatelangen Vorbereitungen, die der 73-jährige Autor zu seinen »intensivsten Recherchen« zählt, schrieb er die »Die Nürburg-Papiere« in sieben Wochen herunter. Das Erscheinen des Kriminalromans wollten Berndorf und der KBV-Verlag noch am Dienstagabend mit rund 300 Gästen an der Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings feiern.

Zuletzt am Freitag hatte der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Nürburgring-Affäre im Landtag in Mainz zahlreiche Zeugen befragt, unter ihnen mehrere Mitarbeiter des rheinland-pfälzischen Innenministeriums und der Polizei. Dabei ging es abermals auch um frühe vertrauliche Warnungen des Landeskriminalamts vor mehreren Kreditvermittlern am Nürburgring.

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