Eierkochen und Vulkane

Indonesien entdeckt die Erdwärme für seine Energieversorgung

Fast die Hälfte aller indonesischen Haushalte verfügt über keinen Zugang zu Elektrizität. Dabei besitzt das südostasiatische Land mit seinen Vulkanen etwa 40 Prozent der weltweiten Ressourcen an Erdwärme. Die will das Land künftig stärker nutzen.

Stolz präsentiert ein Dorfbewohner am Fuße des Vulkans Seulawah Agam in der Provinz Aceh seine frisch gekochten Frühstückseier. Stolz ist er nicht nur, weil er kürzlich einen Stromanschluss bekommen hat und endlich seinen elektrischen Eierkocher betreiben kann. Er ist auch stolz darauf, dass er »seine« natürliche Energiequelle direkt vor der Tür hat. Mit mehr als 80° Celsius sprudelt das Wasser an dieser Stelle aus dem Erdreich.

Trotz des enormen Potenzials an erneuerbaren Energien und vor allem an Erdwärme für die Stromversorgung deckt Indonesien den Löwenanteil seines Energiebedarfs durch die fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle. Dabei sitzt das Land mit seinen 129 aktiven Vulkanen buchstäblich auf »heißer Luft«, die es zur Energiegewinnung nutzen könnte. Experten gehen davon aus, dass Indonesien über 40 Prozent der weltweiten Geothermieressourcen verfügt, mit denen das Land jährlich 27 000 Megawatt (MW) Strom produzieren könnte. Aktuell aber produzieren ein paar kleinere Kraftwerke bescheidene 1100 MW.

Das soll anders werden. Auf der »World Geothermal Conference« vor wenigen Wochen in Bali hat Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono ein ambitioniertes Ziel angekündigt und mit Investoren und Geberorganisationen milliardenschwere Abkommen unterzeichnet: Bis 2025 sollen 9000 MW Strom aus geothermischen Quellen kommen.

Aber wie so oft in Indonesien sind politische Absichtserklärungen – so gut und ernst sie gemeint sind – mit Vorsicht zu genießen. Die Liste der Probleme bei der Nutzung geothermischer Energie und dem Bau von Kraftwerken ist lang. Internationale Geldgeber fordern verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen, bevor sie im großen Stil in die Geothermie investieren. Auch muss sichergestellt werden, dass Finanzhilfen im korruptionsgeplagten Indonesien nicht in den Taschen raffgieriger Beamter und Politiker landen. Aber auch die hohen Kosten und die hohen Risiken während der Erkundung stellen ein Hemmnis dar.

An diesen Engpässen setzt die indonesisch-deutsche Kooperation an, in deren Rahmen das Geoforschungszentrum (GFZ) Potsdam in Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungseinrichtungen in Indonesien Geothermieexperten ausbildet und die Entwicklung von Techniken zur Ausbeutung der Erdwärme unterstützt. So beteiligt sich die KfW Bankengruppe an der Finanzierung von Probebohrungen. Ein Projekt liegt in Seulawah Agam in der Provinz Aceh. Bei positivem Ergebnis der Testbohrungen ist der Bau eines Kraftwerks mit einer Kapazität von mindestens 40 MW vorgesehen.

Björn Thies, Landesdirektor der KfW in Jakarta, sieht in der Förderung der Erdwärme einen vielfältigen Nutzen für Aceh: »Das schafft Arbeitsplätze, fördert das wirtschaftliche Wachstum und trägt so zum Abbau der Armut in Aceh bei. Gleichzeitig wird ein Beitrag zur Verminderung des CO2-Ausstoßes in Indonesien und damit zum globalen Klimaschutz geleistet.« Der heiße Dampf aus dem Inneren der Erde ist also zu mehr gut als nur zum Eierkochen.


Lexikon: Geo-Engineering

Der Begriff Geo-Engineering leitet sich nicht ohne Grund vom Ingenieurswesen (Engineering) ab. Denn gemeint sind technische Eingriffe in chemische, biologische oder physikalische Mechanismen der Erde, beispielsweise um die Klimaerwärmung zu stoppen. Die älteste Idee dazu ist das Einbringen von Schwefeldioxid in die Stratosphäre, um die Ausbildung sehr heller Wolken zu fördern, die das Sonnenlicht reflektieren. Ähnliche Wirkung sollen künstliche Wolken über dem Meer bringen. Auch die künstliche Umwandlung von Biomasse in Braunkohle wurde diskutiert.

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