Tischlern für Shanghai

Ein Dresdner Handwerker nimmt an der Sonderschau »german living« in China teil

  • Von Christiane Raatz, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Im Oktober wird auf der Expo in Shanghai die Sonderausstellung »german living« gezeigt. Dann werden dort auch die ausgefallenen Möbel von Jan Beyer zu sehen sein.

Dresden. Knorrige Lampen aus einem jahrhundertealten Olivenbaum, Sitzwürfel aus Elsbeere oder Apfelbaum: Tischler Jan Beyer aus Dresden fertigt ausgefallene Möbel aus Holz. Jedes seiner Stücke ist ein Unikat. Und bald sind sie sogar in China zu sehen. Als eines von drei deutschen Handwerksunternehmen nimmt Beyer an der Sonderausstellung »german living« auf der Expo in Shanghai teil. Mitte Oktober geht er gemeinsam mit seinen Möbeln auf Reisen.

»Das ist gigantisch, ich werde die Chance nutzen«, sagt der 38-Jährige. Der gebürtige Sachse setzt vor allem auf einheimische Gewächse, die nicht unbedingt als Edelhölzer bekannt sind: Apfel- und Kirschbaum, Ulme, Ahorn, Birne oder Robinie kommen bei ihm auf die Hobelbank. Unter seinen Händen verwandeln sie sich in edle Schmuckstücke. »Am liebsten bin ich von Anfang an dabei, schon beim Fällen«, erzählt Beyer. Vier bis fünf Jahre liegen die Hölzer dann, bevor sie verarbeitet werden. Genug Zeit, sich zu überlegen, was aus einem Stück Holz werden könnte. Denn Beyer lässt sich gern von der Natur inspirieren. Sie gibt die Form vor, er haucht den Dingen eine Seele ein. So wie bei dem Schrank »Artefact« – der mittlerweile sein Prestigeobjekt geworden ist und deshalb auch den Namen des Handwerksunternehmens trägt.

»Der Schrank passt sich dem Holz an«, erklärt Beyer das Konzept und streicht liebevoll über das glänzende Möbelstück in Wellenform. Der schiefe Ast eines Bergahorns diente dem Tischler als zentrales Element, nach dem er die Schubladen ausgerichtete.

Der Schrank wird ebenso wie der quadratische, kniehohe Würfel mit verschiedenen integrierten Spielen auf der Expo zu sehen sein. Beyer hat ihn mit viel Liebe zum Detail und kleinen Kniffen entworfen: Das Schachbrettmuster ist eine massive Intarsienarbeit, kleine Holzhocker sind integriert und lassen sich bei Bedarf herausziehen. Die Unikate haben jedoch ihren Preis: Bis zu 3000 Euro kostet der Würfel, 13 000 Euro sind für den Artefact-Schrank fällig.

An Abnehmern mangelt es nicht, mittlerweile gehen seine Möbel nach ganz Deutschland, aber auch in die Niederlande, die Schweiz und Österreich. Vor acht Jahren hat der Tischlermeister seine Werkstatt im Dresdner Stadtteil Übigau bezogen. Auf 500 Quadratmetern ist genügend Platz für seine Arbeiten. Im Lager stapeln sich gesägte Bretter, Wurzeln und ganze Bäume bis unter die Decke, im Vorraum wird gehobelt und gesägt. Auf dem Gelände der alten Schiffswerft aus dem 19. Jahrhundert haben sich mittlerweile zahlreiche Künstler und Handwerker angesiedelt. Ein geschichtsträchtiger Ort: In Beyers Werkstatt wurden früher nicht nur Schiffsteile, sondern auch die erste deutsche Dampflok »Saxonia« gebaut.

Die meisten Ideen holte sich Beyer auf der Walz – während seiner Gesellenwanderung. Drei Jahre lang zog er nach der Lehre durch Deutschland, Norwegen, die Schweiz und Rumänien, sein gesamtes Hab und Gut in einem kleinen Bündel. »Eine aufregende Zeit, überall mal reinzuschnuppern«, erinnert er sich. Solange er denken kann, gab es für ihn nur ein Berufsziel: Tischler.

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