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Coole Mandi gegen Andi vom Verfassungsschutz

Ein Comic zeigt, wozu Patriotismus führen kann

  • Von Felix Werdermann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Deutschland-Fahnen sind wahrlich schwer zu übersehen. Pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft der Herren werden Autos geschmückt, Kneipen mit Flaggen ausgestattet und bei öffentlichen Übertragungen werden ganze Plätze zu einem Fahnenmeer. Dem Deutschland-Fieber ist nicht zu entkommen. Wenn es da nicht einen neuen Comic gäbe.

In dem 28-seitigen Heft besucht die Schülerin Mandi mit ihrer Freundin eine öffentliche Fußballübertragung. Die beiden werden blöd angemacht, weil sie nicht die Deutschland-Fahne schwingen. »Was soll'n das? Seid ihr nicht für Deutschland?« Gleich werden sie von eingefleischten Fans als »Spaghettifresser« bezeichnet, danach wird es sexistisch: »Frauen haben beim Fußball eh nix verloren ...«

Die Begeisterung für die deutsche Nationalelf wird in dem Comic von ihrer anderen Seite gezeigt. Gemeinsames Feiern und Solidarität unter Deutschland-Fans kann für Außenstehende nämlich schnell ausgrenzend wirken. Wer nicht automatisch die DFB-Mannschaft unterstützt, muss sich rechtfertigen. Wer ohne Trikot herumläuft, wird komisch angeguckt.

Party-Patriotismus

Der Party-Patriotismus ist inzwischen so normal, dass er kaum noch wahrgenommen wird. Und genau hier möchte der Comic ansetzen: Hinschauen, in Frage stellen, Alternativen aufzeigen. Anti-Fußball-Propaganda ist es aber nicht: »Wir finden, dass es völlig in Ordnung ist, sich für Fußball zu begeistern, zu gucken und selbst zu spielen«, schreiben die Autoren der antifaschistischen Gruppe 5 Marburg. »Allerdings sollte man sich der vielfältigen Ausgrenzungsmechanismen bewusst sein, die eine Identifikation mit einer bestimmten Mannschaft mit sich bringen kann.«

In Bildern verpackt kommt die Botschaft gleich viel sympathischer bei der Zielgruppe der Schüler an. Ein Comic ist leichte Kost, ideal zum Zwischendurchlesen. Leider wird die Geschichte immer wieder mit längeren Texten unterbrochen – anders als beim Vorbild, an dem sich »Mandi« orientiert: Das sind nämlich die »Andi«-Comics vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz. Der Held der drei Geschichten, Andi, setzt sich ein »für Demokratie und gegen Extremismus«. Zunächst gegen Rechtsextremismus, dann gegen Islamismus, im dritten Heft kriegt die extreme Linke ihren Senf ab: Andi muss ansehen, wie sein Freund Ben »in die linksautonome Szene abdriftet«.

Der Linksextremismus-Comic ist voller Klischees – die zum Teil sogar stimmen. Argumente bringt er aber kaum hervor. Stattdessen werden Linke mit Nazis verglichen – und die Comic-Figuren sagen dazu: »Die reden voll den gleichen Quark.« »Und aussehen tun sie auch gleich.« »Aber hassen tun sie sich wie die Pest!« Eine Erklärung, warum sie sich hassen? Fehlanzeige.

Nah am Original

Lesenswert ist »Andi« dennoch alleine schon, um darüber zu schmunzeln. Der »Mandi«-Comic kommt zwar in Sachen Professionalität nicht ganz an das Original heran, denn besonders ausgeklügelt ist die Geschichte nicht. Dass die beiden Comics aber überhaupt (zeichnerisch) vergleichbar sind, ist eine grandiose Leistung für eine lokale Antifa-Gruppe, die ehrenamtlich arbeitet. Das Titelbild ist verblüffend ähnlich, selbst der Zeichenstil orientiert sich am Original.

Und eine Bestellung lohnt sich allemal, denn »Mandi« ist zudem sehr originell: So wurde CoDeX kurzerhand zu CodEx. Statt Comic für Demokratie und gegen Extremismus heißt es jetzt: Comic gegen den Extremismusbegriff. Direkt zu Beginn findet sich auch ein Artikel, der erklärt, warum es problematisch ist, Rechts und Links in die Extremismus-Schublade zu stecken, während »die Mitte« als normal gilt. Überschrieben ist der Text mit: »Andi ist ein Idiot!« Das stimmt. Mandi ist einfach cooler.

Die Comics können online gelesen oder auch kostenlos bestellt werden unter: mandi.blogsport.de bzw. www.andi.nrw.de.

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