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Der Vitale

Straßburger tot

Er war der Typ des Falstaff, und er hat ihn ganz selbstverständlich gespielt. Erdhaft sinnlich, herausfordend vital, saftig direkt – mit augenzwinkernder Delikatesse ein Auskoster des Drallen und Derben. Die zupackende Art dieses Schauspielers gehörte lange zum Charakterbild der Volksbühne.

Geboren 1930 in Dessau, wurde Helmut Straßburger Bühnenarbeiter, spielte zunächst in seiner Geburtsstadt, dann am Staatstheater Dresden, schließlich im Haus am Berliner Rosa-Luxemburg-Platz, bei Benno Besson (im berühmten »Moritz Tassow« von Hacks), bei Karge und Langhoff (im »Wald«), bei Marquardt (in Müllers »Schlacht« und »Bauern«. Fast dreihundert Mal gab er mit Winfried Wagner Diderots »Rameaus Neffe«, mit aufgeworfenen Lippen, herrlich gerunzelter Stirn, ein Teufel mit Bocksfuß und unvergesslich wohl jedem, der's sah. Er gab, wenn er spielte, den Unterwürfigen, der seine Gefühllosigkeit nur schwer verbergen konnte; er konnte ein aufgeplusterter Satyr sein, der schaupielerische Rampenlüste zum komödiantischen Erlebnis steigerte; er hatte den sinnlichen Witz, der noch jeden Egoisten und Zwielichtigen seines Repertoires mit Sympathie versorgte.

Auch als Regisseur (oft gemeinsam mit Ernstgeorg Hering) arbeitete Straßburger, inszenierte Stolper, Kotzebue, Örkeny, Gozzi und Gelman – ein Neugieriger auf Namen abseits der großen geläufigen Dichter-Liste. Zuletzt wirkte er mit Hering wieder in der Heimatstadt Dessau, war Schauspieldirektor am Anhaltischen Theater. Vor wenigen Tagen ist Helmut Straßburger, im Alter von achtzig Jahren, verstorben. hds

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