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Alarm bei Kölns Pyranhas

Räumung des Autonomen Zentrums befürchtet

  • Von Dominik Clemens, Köln
  • Lesedauer: 3 Min.

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Gerüchte um die geplante Räumung des Autonomen Zentrums in Kölns Wiersbergstraße führten am Dienstag dazu, dass linke Aktivisten zeitweise das historische Rathaus der Stadt besetzten. Oberbürgermeister Jürgen Roters signalisierte Gesprächsbereitschaft, die Aktivisten wollen nun über die legale Nutzung der Immobilie in der Wiersbergstraße verhandeln.

Für Unruhe unter Kölns städtischen Bediensteten sorgte am Dienstag kurzzeitig eine Aktion der linken Szene. Rund 60 Autonome hatten sich am Vormittag im Rathaus versammelt. Lautstark protestierten sie gegen eine mögliche Räumung der besetzten ehemaligen KHD-Kantine im Stadtteil Kalk. In der Piazzetta des historischen Gebäudes entrollten die Demonstranten ein Transparent, machten mit Sprechchören lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam und forderten ein Gespräch mit Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD).

Ein Gerücht und die Folgen

Seitdem Aktivisten aus dem Umfeld der Kampagne »Pyranha« Mitte April das leer stehende Gebäude besetzt haben, ist der Stadtteil Kalk zu einer Art Dreh- und Angelpunkt für Kölns linke Szene geworden. Die Initiative fordert die Schaffung eines selbstverwalteten Zentrums für Politik, Kunst und Kultur. Gegründet wurde sie, nachdem das Bauordnungsamt Ende 2008 die Schließung der alternativen »Schnapsfabrik« verfügte. Das neu entstandene Autonome Zentrum soll diese Lücke schließen.

Im neuen Domizil haben die Besetzer damit begonnen, ihr Ziel in die Tat umzusetzen. In den vergangenen Wochen fanden mehr als hundert Veranstaltungen statt – darunter Konzerte, Grafitti-Workshops oder Sprachkurse. Die Immobilie gehört der Savo GmbH, einer Tochter der Sparkassen-Immobilienfirma RheinEstate. Das Unternehmen lehnt bislang Gespräche mit den Besetzern ab und hat Strafanzeige gestellt.

Für Hektik unter den Hausbesetzern sorgte Anfang der Woche die Nachricht, dass die polizeiliche Räumung des Gebäudes unmittelbar bevorstehe. Dies habe man »aus sicheren Quellen« erfahren, hieß es in einer in der Szene verbreiteten Erklärung. Via Internet und Telefonkette wurden Unterstützer mobilisiert, um die drohende Räumung zu verhindern.

Am Montagabend herrschte dann ein wenig Auszugsstimmung in der Wiersbergstraße. Im Eingangsbereich des Zentrums stapelten sich Möbel. Junge Menschen waren damit beschäftigt, Sofas, technisches Gerät und anderes Inventar zu verladen. Nebenan im Saal hielten die Besetzer ein Plenum ab und debattierten, ob und wie sie sich dem Eindringen der Polizei auf das Areal widersetzen wollen.

Am Tag darauf hatten sich bereits am frühen Morgen zahlreiche Unterstützer am Zentrum versammelt. An einer über Nacht errichteten improvisierten Barrikade war die Losung »Räumung heißt Krieg« zu lesen. Doch die erwartete Konfrontation mit der Staatsmacht blieb aus. Lediglich einzelne Polizeibeamte machten sich ein Bild über die Lage. Die Nachricht über die geplante Räumung entpuppte sich dann als Gerücht. »Es hat kein Ersuchen um Amtshilfe für eine Beendigung der Besetzung gegeben«, bestätigte Polizeisprecherin Nadine Perske.

Termin beim OB

Als sich die Erkenntnis durchsetzte, dass das Zentrum zumindest vorerst erhalten bleibt, machte sich eine Gruppe der Hausbesetzer auf den Weg in das Rathaus. OB Jürgen Roters ließ sich durch Stadtdirektor Guido Kahlen entschuldigen. Der Oberbürgermeister sei terminlich verhindert und stehe kurzfristig nicht für ein Gespräch zur Verfügung. Daraufhin kündigten die Demonstranten an, im Rathaus auszuharren, um den Politiker im Vorfeld eines Festaktes zu sprechen. Schließlich bot Roters Vertretern der Kampagne »Pyranha« ein Gespräch an. Die Hausbesetzer nahmen das Angebot an und verließen das Rathaus. Sie wollen nun mit der Stadt Köln über die legale Nutzung der Immobilie in der Wiersbergstraße verhandeln.

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