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Guineas Angst vor ethnischer Gewalt

Bei den Präsidentschaftswahlen kommt es zu einer Stichwahl

  • Von Marc Engelhardt, Nairobi
  • Lesedauer: 3 Min.
Bei der demokratischsten Wahl in Guinea seit dessen Unabhängigkeit vor mehr als 50 Jahren siegten die Vertreter der beiden größten Bevölkerungsgruppen. Analysten befürchten nun ethnische Gewalt bei der Stichwahl.

Bei der Präsidentenwahl in Guinea hat der ehemalige Premierminister Cellou Dalein Diallo die meisten Stimmen erhalten, muss sich aber in zwei Wochen dennoch einer Stichwahl stellen. Der 58-jährige erhielt dem vorläufigen Ergebnis zufolge 39,72 Prozent der Stimmen, der zweitplatzierte Kandidat Alpha Condé 20,67 Prozent. Ex-Premier Sidya Touré kam auf 15,6 Prozent. Am Sonntag erklärte Touré, der als Königsmacher gilt, erwartungsgemäß, er habe sich noch nicht entschieden.

Diallo gab sich in seiner ersten Rede siegessicher. »Ich rufe all meine Landsleute auf, als Teil meiner ›Union der demokratischen Kräfte‹ dazu beizutragen, dass wir mit einer deutlichen Mehrheit gewinnen.« Die Verlierer hingegen fechten zunächst das Ergebnis an, sowohl der langjährige Oppositionsführer Condé als auch Touré haben beim obersten Gerichtshof entsprechende Anträge gestellt.

Am Gesamtergebnis, so schätzen Beobachter, dürften die Anfechtungen jedoch nichts ändern, selbst wenn ihnen stattgegeben wird. Die Vorwürfe konzentrieren sich auf einzelne Wahllokale in den jeweiligen Hochburgen der Kandidaten. Internationale Wahlbeobachter loben die Wahl als im Großen und Ganzen gelungen. »Trotz logistischer Schwierigkeiten am Wahltag hat die Kommission die Abstimmung generell zufriedenstellend abgewickelt«, erklärte der Chef der EU-Wahlbeobachtermission, Alexander Graf Lambsdorff. Vorwürfe lokaler Wahlbeobachter, die vereinzelte Fälschungsversuche dokumentierten, würden untersucht. Unruhen, die vergangene Wahlen gekennzeichnet hatten, blieben diesmal aus. Es scheint, als lasse die seit Ende 2008 regierende Militärjunta tatsächlich die freiesten Wahlen seit der Unabhängigkeit von Frankreich vor 52 Jahren zu.

Doch die Unsicherheit ist groß, ob die Militärregierung unter der Führung von Sékouba Konaté so unparteiisch bleiben wird. In der zweiten Runde, so befürchtet die Analystin Lydie Boka, könnten die Kandidaten für ihre Zwecke ethnische Spannungen anheizen. »Tribalistische Argumente könnten den Ausschlag dafür geben, wer welchen Kandidaten unterstützt«, warnt Boka.

Diallo, dem Kritiker vorwerfen, sich während des Regimes des Ende 2008 gestorbenen Präsidenten Lansana Conté bereichert zu haben, gehört der größten Ethnie der Fulani (Peul) an, die gut 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Mit seinem Wahlspruch »Jetzt sind wir dran« hat er im Wahlkampf Anführer kleinerer Ethnien vergrätzt, auf deren Unterstützung er jetzt angewiesen ist. Der 73-jährige Condé, der in seiner politischen Karriere erfolglos gegen alle Staatschefs angetreten ist, gehört zu den Malinké, die etwa ein Drittel der Bevölkerung stellen. Es sind also die kleineren Bevölkerungsgruppen, die mit ihren Stimmen den Sieger küren werden.

Besonders brisant ist der ethnische Wettstreit, weil der politische Einfluss der Fulani immer wieder mit dem Argument begrenzt wurde, eine Übermacht der größten Ethnie gefährde die nationale Einheit Guineas. Manch einer in Guinea glaubt, dass die Junta im Falle eines Diallo-Wahlsiegs auf die »Foutah« genannte Politik zurückgreifen könnte, um selbst an der Macht zu bleiben. Es geht um viel Geld: Der Wert der anstehenden Verträge mit Minenunternehmen in dem armen, aber rohstoffreichen Land wird auf gut acht Milliarden Euro geschätzt.

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