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Enge Beziehungen zum einst »großen Bruder«

Finanzminister Helmuth Markov eröffnete deutsch-russisches Dialogforum »Potsdamer Begegnungen«

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

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Finanzminister Helmuth Markov (LINKE) hat gestern in seiner Funktion als stellvertretender Ministerpräsident Brandenburgs das deutsch-russische Dialogforum »Potsdamer Begegnungen« eröffnet. Schon immer waren die Beziehungen Brandenburgs zum Riesenreich im Osten ganz spezielle. In seinem Grußwort an die Teilnehmer aus beiden Ländern betonte Markov, Deutschland verstehe sich heute mehr denn je als Bindeglied zwischen Ost und West und damit auch zu den östlichen Nachbarn der Europäischen Union.

Die im Jahr 1999 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog ins Leben gerufene Dialogveranstaltung »Potsdamer Begegnungen« hat das Ziel, die Verständigung zwischen Deutschland und Russland zu fördern. Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) war seinerzeit Chef der Freundschaftsgesellschaft »Deutschland-Russland«.

Mit Blick auf das Partnerland des Dialogforums hob gestern Minister Markov hervor: »Die Beziehungen zu Russland sind nicht nur aufgrund der Geschichte von zentraler Bedeutung. Daher ist uns das gemeinsame Nachdenken über wichtige Politikfelder hier bei den Potsdamer Begegnungen mehr als willkommen.« Das zwölfte Treffen in diesem Jahr steht unter dem Leitmotiv: »Wünschenswerte Zukünfte, Deutschland und Russland im 21. Jahrhundert«.

Brandenburg als – wenn man so will – einzig verbliebenes preußisches Kernland blickt auf eine eigenwillige Tradition in den beiderseitigen Beziehungen zurück. Nach dem Siebenjährigen Krieg wurde Brandenburg-Preußen von einer französischen Hilfsmacht zu einer russischen Hilfsmacht, bis es sich später – vor allem nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon, als eigenständige europäische Großmacht profilieren konnte. Sowohl König Friedrich II. als auch Reichskanzler Otto von Bismarck rieten in ihren politischen Testamenten zu sorgfältigen Beziehungen zum russischen Reich.

Auch aus anderen Gründen sind die Beziehungen Brandenburgs enger als die anderer neuer Länder zum einstigen »großen Bruder« der DDR. Als letzter russischer Soldat auf deutschem Boden bestieg 1994 Generaloberst Burlakow den Hubschrauber im Oberkommando Wünsdorf bei Zossen und verließ eine Garnison, in der vor der Wende über 50 000 sowjetische Militärs und Familienangehörige stationiert waren. Die Regierung unter Ministerpräsident Manfred Stolpe wollte nicht zulassen, dass aus der »verbotenen Stadt« Wünsdorf eine Geisterstadt wurde. Eine »Beamten- und Gartenstadt« wurde am Reißbrett ersonnen und entworfen, kühn erdacht und mit beträchtlichen Mitteln finanziert. Das Projekt stellte sich später als ein Fehlschlag heraus.

Die Vielzahl der einstigen russischen Liegenschaften war zusätzlich etwas, was Brandenburg von den anderen neuen Ländern unterschied. Die Führung der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die meisten ihrer 600 000 Angehörigen in Berlinnähe stationiert. Fast 100 000 Hektar sogenannter WGT-Flächen galt es nach der Wende und dem Abzug der Russen in Brandenburg einer Verwertung zuzuführen.

Die Abschlussbilanz wurde vor zwei Jahren vorgelegt. Ein großer Teil der damaligen Truppenübungsplätze sind heute Naturschutzregionen verschiedenen Grades.

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