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Noch mehr Missbrauch an Odenwaldschule

Weit über 50 Schülerinnen und Schüler Opfer

Heppenheim (epd/ND). An der privaten Odenwaldschule im hessischen Heppenheim hat es offenbar noch mehr Fälle von sexuellem Missbrauch gegeben als bisher bekannt. Wahrscheinlich seien deutlich mehr als 50 Schülerinnen und Schüler Opfer von Übergriffen geworden, sagte die ehemalige Frankfurter Gerichtspräsidentin Brigitte Tilmann am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in dem Internat. »Wir sind noch lange nicht am Ende«, erklärte sie. Die Juristin arbeitet im Auftrag des Trägervereins die Fälle auf. Die Odenwaldschule feiert noch bis zum Wochenende ihr 100-jähriges Gründungsjubiläum.

Laut einem neuen, von Tilmann und der Wiesbadener Juristin Claudia Burgsmüller erstellten Zwischenbericht, haben sich inzwischen 37 ehemalige Schüler und 6 frühere Schülerinnen gemeldet, die zwischen 1968 und 1986 Opfer von sexuellem Missbrauch geworden waren. Zudem seien von den Betroffenen 28 weitere Opfer benannt worden, zu denen es bislang keinen Kontakt gegeben habe. Der neue Vorstandssprecher des Trägervereins und ehemalige Odenwaldschüler Johannes von Dohnanyi sprach von einer »neunseitigen Chronik des Schreckens«. Außer im Fall einer beschuldigten Lehrerin, die noch im Schuldienst tätig ist, sind alle Fälle juristisch verjährt.

Dohnanyi versicherte, dass es heute an der Reformschule keine Toleranz für Missbrauchsvergehen mehr gebe. »Heute ist die Schule wahrscheinlich die sicherste in Deutschland.« Die Zahl der Anmeldungen an der Odenwaldschule sei zurückgegangen, jedoch nicht in dem befürchteten Umfang. Ob die Missbrauchsopfer eine finanzielle Entschädigung erhalten werden, sei noch nicht entschieden.

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