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Schwieriger Arbeitseinstieg

Schwedens Jugend kämpft mit starren Arbeitsmarktregeln und fehlender Motivation

  • Von Andreas Knudsen, Kopenhagen
  • Lesedauer: 3 Min.
In Schweden steigt die Jugenderwerbslosigkeit trotz einem an sich krisenfesten Arbeitsmarkt. Schuld ist neben eng gefassten Arbeitsmarktregelungen häufig auch fehlende Motivation.

Extreme Jugendarbeitslosigkeit wird oft nur in südeuropäischen Ländern verortet, sie ist aber auch ein Problem für ein Land mit stark reguliertem Arbeitsmarkt und vielen Arbeitnehmerrechten wie Schweden. Die Arbeitslosenrate hier betrug im Mai 9,8 Prozent und machte 483 000 Personen aus, doch die Altersgruppe 15 bis 24 ist besonders stark betroffen. Mehr als jeder vierte Jugendliche, insgesamt 190 000, ist erwerbslos. Mit zum Bild gehört auch, dass zu den Arbeitslosen auch Studenten gehören, die gerne etwas dazuverdienen wollen, aber keine Arbeit bekommen. Die Aussichten in diesem Sommer sind nicht günstig für jene, die sich erste Sporen auf dem Arbeitsmarkt verdienen wollen. Die Zahl der angemeldeten Sommerjobs ist mit rund 37 000 auf einem Rekordtief und nimmt den jungen Leuten, die meist die Sommerlöcher an den Arbeitsplätzen füllen, die Möglichkeit, Arbeitserfahrungen zu sammeln.

Die Universitäten von Lund und Umeå haben kürzlich eine Untersuchung veröffentlicht, die besorgniserregende Tendenzen nachzeichnet. Sie zeigt nicht nur, dass die Jugendarbeitslosigkeit im vergangenen Jahr um 30 000 Personen stieg, sondern vor allem, dass die jungen Jahrgänge immer später in den Arbeitsmarkt einsteigen. Vor noch einer Generation lag das »Etablierungsalter« bei etwa 20 Jahren, nun erst zwischen 27 und 30. Eine Generation gilt als etabliert, wenn 75 Prozent eines Jahrganges auf dem Arbeitsmarkt Fuß gefasst haben.

Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Eine davon ist die Krise, die Schweden mit Ausnahme der Auto- und Flugzeugindustrie allerdings weniger hart getroffen hat als andere Länder. Schwerer wiegt jedoch, dass vielen jungen Schweden die Motivation fehlt, ihre schulische Ausbildung abzuschließen. Nur noch 70 Prozent der Gymnasiasten machen ihren Abschluss und damit zehn Prozent weniger als noch vor 15 Jahren. Neben anderen Ursachen ist der wichtigste Grund, dass die Motivation fehlt, wenn andere junge Leute mit guten Schulabschlüssen diese nicht in Arbeitsverträge umsetzen können.

Arbeitsmarktforscher und junge Erwerbslose, die sich dazu in Internetforen äußern, geben LAS die Schuld. Das ist die schwedische Abkürzung für die gesetzlichen Arbeitsmarktregelungen. Diese schützen Arbeitnehmer in großem Umfang und machen Entlassungen selbst aus schwerwiegenden betrieblichen Gründen schwierig und für Arbeitgeber kostspielig. Dazu kommen hohe Einstiegslöhne, die Unternehmen bei Neueinstellungen zur Vorsicht veranlassen. Wer länger als ein Jahr angestellt ist, hat Anspruch darauf, einen anderen Arbeitsplatz in der Firma zu bekommen und ein Vorzugsrecht auf freie Stellen. Dies gilt noch für einen Zeitraum von neun Monaten nach der Entlassung.

Für die Arbeitnehmer eigentlich positive Schutzregeln schlagen aber ins Negative um, wenn es um den Berufseinstieg junger, unerfahrener Kollegen geht. Weder Regierung noch Arbeitsmarktpartner sind im Moment aber geneigt, die Regeln elastischer zu machen. Notwendig wäre es schon allein deswegen, um Generationslöcher im Arbeitsmarkt zu vermeiden und Erfahrungen kontinuierlich weiterzugeben. Jugendlichen bleibt also momentan nur, auf Zeit und weitere Ausbildungsmaßnahmen zu setzen, bis sie unter den Schutz von LAS kommen und ihre Studienschulden abarbeiten können.

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