Werbung

»Befreit«

Kafka, Brod:

  • Von Ulrich Sahm, Jerusalem
  • Lesedauer: 2 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Nach vierzig Jahren werden in der kommenden Woche Manuskripte von Franz Kafka und Max Brod aus sechs Panzerschränken in Tel Aviver Banken und weiteren vier in Zürich »befreit«. Am Montag 10 Uhr erschienen Rechtsanwälte bei der Kikar-Hamedina Filiale der Discount Bank mit einem richterlichen Befehl in der Hand. Nach monatelangen Gerichtsverhandlungen ist das Urteil gefallen, die seit vierzig Jahren versperrten Schriftstücke der beiden Autoren der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Wie die Zeitung »Haaretz« meldet, sei plötzlich Eva Hoffe in der Bankfiliale aufgetaucht und habe mit lauten Rufen »Das gehört mir, das gehört mir« versucht, die Herausgabe der Papiere an die Anwälte zu verhindern. Hoffe ist die Tochter von Esther Hoffe, der verstorbenen Privatsekretärin Brods. Die Schwestern Hoffe, Eva und Ruthie, halten sich für die rechtmässigen Erben des Nachlasses von Brod und Kafka. Brod hätte eigentlich Kafkas Hinterlassenschaft verbrennen sollen, brachte es jedoch im Koffer nach Tel Aviv, als er vor den Nazis aus Prag floh.

Die Nationalbibliothek in Jerusalem hatte gegen die Schwestern geklagt, in deren Privatbesitz sich der Nachlass der Schriftsteller befindet. Die Nationalbibliothek will so auch verhindern, dass jüdischer

Nationalbesitz illegal ins Ausland gelangt. 1988 hatte Hoffe das Originalmanuskript von Kafkas »Prozess« für zwei Millionen Dollar an das Deutsche Literaturarchiv Marbach verhökert.

Die Anwälte sollen nun die Dokumente auflisten. Über die Inhalte wurde eine richterliche Nachrichtensperre verhängt, die von »Haaretz« angefochten wird. Anhand der Liste muss dann entschieden werden, ob das Material zu freien Verfügung steht oder aber zum Privatbesitz der Schwestern Hoffe gehört.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!