Von Lena Tietgen

Bildungsrauschen

Welle der Kritik an Stipendienprogramm

Das Ende letzter Woche vom Bundesrat gebilligte »nationale Stipendienprogramm« der Bundesregierung, mit dem künftig die leistungsbesten Studenten unabhängig vom Einkommen der Eltern finanziell gefördert werden sollen, stößt auch im Internet auf massive Kritik.

Am 9. Juli postete Kemper auf www.dishwasher.blogsport.de: »Der Bundesrat hat (heute) das neue Stipendiengesetz durchgewunken, weigerte sich aber, beim BAföG einen Inflationsausgleich durchzuführen. Dies hat zur Folge, dass BaföG-Empfänger/innen real, also inflationsbereinigt, weniger Geld erhalten. Wie verschiedene Studien (...) belegten, erhalten vor allem Kinder von reichen Eltern mit akademischen Abschluss Stipendien. Arbeiterkinder sind unter den Stipendiaten/innen noch seltener vorhanden als es ihrem sowieso schon viel zu geringem Anteil an den Studierenden entsprechen würde. Das monatliche Büchergeld der Stipendiaten/innen wurde von 80 Euro auf 300 Euro erhöht. Wie immer auch die Entscheidung für eine Erhöhung der Stipendien und gegen einen Inflationsausgleich beim BAföG zustande gekommen sein mag: sie reiht sich ein in die lange Liste politisch diskriminierender Entscheidungen gegen Arbeiterkinder im Bildungssystem.« Ihn »erschreckt die Unverfrorenheit.« Denn, »obwohl am selben Tag eine Bertelsmann(!)-Umfrage ergab, dass für die befragten Eltern das größte Problem im Bildungssystem die soziale Ungerechtigkeit ist, wurde skrupellos diese unsoziale Entscheidung getroffen.«

Es werde »nicht einmal mehr versucht, soziale Ungerechtigkeit zu kaschieren.« kommentierte er folgenden Text auf www.guardianoftheblind.de/blog/2010/07/09: »Der Bundesrat hat heute wirklich das denkbar schlechtest mögliche getan und dem Stipendienprogramm der Bundesregierung zugestimmt, die geplante BAföG-Erhöhung aber abgelehnt. (...) Damit setzt die Bundesregierung klare Zeichen: ihr geht es keinesfalls um so etwas wie Wohlstand für alle, noch nicht einmal um gleiche Chancen für alle: sie sieht die Zukunft Deutschlands in einer kritisiert Entqualifizierung der breiten Bevölkerungsschichten, die breite Lohnsenkungen ermöglicht. Eine kleine ›Elite‹, die möglichst unter sich bleibt, soll alle relevanten Entscheidungen, abgekoppelt von demokratischen Entscheidungsmechanismen (die durch die Senkung des Bildungsniveaus meist resultierende Entpolitisierung kommt da gerade recht), treffen.

Ähnlich Andreas Keller auf www.gew.de, ebenfalls am 9. Juli: »Das ›nationale Stipendienprogramm‹ findet keine Akzeptanz: Weder bei Studierenden und Hochschulen noch bei Fachleuten und Länderregierungen. Ein Programm, das gerade jene Studierenden leer ausgehen lässt, die am dringendsten Unterstützung brauchen, ist überflüssig.«

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