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7,6 Millionen atypisch beschäftigt

Zahl der Leih-, Kurz- und Minijobs seit 1999 deutlich gestiegen

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Wiesbaden (AFP/ND). In der Wirtschaftskrise haben in Deutschland vor allem Leiharbeiter und Beschäftigte mit befristeten Arbeitsverträgen ihren Job verloren. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ging im vergangenen Jahr um 8,5 Prozent auf 560 000 zurück, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Die Zahl der befristet Beschäftigten sank demnach um 3,3 Prozent auf gut 2,6 Millionen. »Diese Entwicklung macht deutlich, dass vor allem Zeitarbeit und befristete Beschäftigung von den Unternehmen als Mittel genutzt wurden, flexibel auf die konjunkturellen Veränderungen zu reagieren«, erklärten die Statistiker.

Dies führte demnach dazu, dass vor allem die Zahl sogenannter atypischer Beschäftigter um 1,7 Prozent zurückgegangen sei. Dazu zählen Leiharbeiter, befristet und geringfügig Beschäftigte sowie Teilzeitbeschäftigte mit weniger als 20 Stunden pro Woche. Kaum verändert hat sich hingegen die Anzahl der Menschen in Normalarbeitsverhältnissen, die unbefristet in Voll- oder Teilzeit von mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten und nicht Leiharbeiter sind: Sie stieg 2009 minimal um 0,3 Prozent. Trotz des Rückgangs der atypischen Beschäftigung 2009 hat sie insgesamt deutlich zugenommen: Von 1999 bis 2009 stieg die Anzahl der so beschäftigten Arbeitnehmer von 19,7 auf 24,8 Prozent aller Beschäftigten (7,6 Millionen).

Männer und Frauen waren dabei sehr unterschiedlich betroffen. Insgesamt sank demnach die Anzahl der beschäftigten Männer um 1,5 Prozent. Deutlich stärker betroffen waren dabei die atypisch Beschäftigten (minus 5,1 Prozent) als die Männer in Normalarbeitsverhältnissen (minus 0,9 Prozent). Die Anzahl der beschäftigten Frauen stieg hingegen um 1,2 Prozent. Als Grund nannten die Statistiker, dass von der Krise vor allem Branchen mit typischen Männerberufen betroffen waren, wie etwa Maschinenbau oder Autokonzerne.

Gewerkschaften und Opposition kritisierten die vorgelegten Zahlen. Der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Klaus Wiesehügel, erklärte, der Wildwuchs bei der Befristung von Arbeitsverhältnissen müsse gestoppt werden. »Hier ist die Bundesregierung gefordert: Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Jobs auf Zeit müssen restriktiver geregelt werden. Befristete Arbeitsverträge müssen die Ausnahme sein – für die Fälle, in denen in einem Unternehmen kurzfristig zusätzliche Auftragsspitzen aufgefangen oder ein Arbeitnehmer ersetzt werden muss«, so Wiesehügel weiter. Besonders dramatisch sei die Lage im Gebäudereinigerhandwerk. Hier seien Kurz- und Kürzestverträge fast die Regel.

Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, erklärte am Donnerstag, die strukturelle Zunahme von Leiharbeit, Teilzeitbeschäftigung, Minijobs, Niedriglöhnen und Befristungen sorge für eine zunehmende Verunsicherung der Arbeitnehmer. Zudem steige das Armutsrisiko immer weiter, weil die Menschen trotz Arbeit kein existenzsicherndes Einkommen erzielten.

Und nicht nur die Arbeitnehmer, auch den Staat komme die Zunahme atypischer Beschäftigung »in zweifacher Weise« teuer zu stehen, so Zimmermann weiter: Durch immer niedrigere Löhne und die Zerlegung von Normalarbeitsverhältnissen enthielten ihm die Arbeitgeber ganz legal Abgaben vor. Und mit aufstockenden Hartz IV-Leistungen subventioniere der Staat dieselben Arbeitgeber dann noch einmal.

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