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Berlins Galerienszene wächst weiter

Befürchtetes Sterben der Kunsthäuser bleibt aus

  • Von Nada Weigelt, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Einen echten Picasso im Wohnzimmer zu haben, gehört in den Führungsetagen fast schon zum guten Ton. In Berlin gibt es aber auch für bescheidenere Kunstfreunde viel zu entdecken.

Die Aussichten waren düster: Angesichts der Krise auf dem Kunstmarkt wurde in Berlin ein Massensterben von Galerien und Kunsthäusern befürchtet. Doch die Auguren haben sich getäuscht. Die Galerieszene in der Bundeshauptstadt ist bunter, quirliger und lebendiger denn je – ein Magnet für Kunstliebhaber aus aller Welt.

470 Galerien zählt der Landesverband Berliner Galerien (LVBG) derzeit – 50 mehr als vor Beginn der Krise vor zwei Jahren. »Berlin ist der wichtigste Kunstmarktplatz Europas, vergleichbar nur mit New York und London«, sagt Verbandspräsident Werner Tammen, der 30 Jahre Erfahrung als Galerist hat. »Die Stadt ist ein Muss für jeden, der in der Kreativszene unterwegs ist.«

Einer der ungewöhnlichsten Kunstorte entsteht derzeit in den denkmalgeschützten Gewölben der alten Brauerei Königstadt – einen Kilometer Luftlinie vom Alexanderplatz entfernt. Der Schweizer Lorenz Huber (35) und seine Frau Vanessa Huber-Christen (31) schaffen mit der »Galerie unter Berlin« auf 500 Quadratmetern und bei konstant kühlen elf Grad einen Raum für genreübergreifende Kunst.

Bei jeder Veranstaltung in dem Performance- und Ausstellungsort sollen vom 9. September an mindestens zwei Kunstformen vertreten sein und miteinander in Austausch treten. »Keine andere Stadt gibt mir die Möglichkeit, einen so großen Raum mit ganz großen Visionen zu füllen«, sagt Huber. »Hier gibt es den Freiraum, mich von Null an neu zu erfinden.«

Natürlich sind es die vergleichsweise immer noch günstigen Mieten, die Künstler und Galeristen locken. Nach Ansicht von Tammen gibt es aber noch zahlreiche andere Standortfaktoren, die Berlin so attraktiv machen. So ziehen die vielen hochkarätigen Museen und Ausstellungen Millionen von Touristen in die Stadt, die dann auch durch die Galerien schlendern. Längst gehört auch für die vielen Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft Kunstkompetenz zum guten Ton.

Private Kunstsammlungen wie der neue »Collectors Room« von Thomas Olbricht, der Sammlungsbunker von Christian Boros oder die Haubrokshows geben Beispiele, was Sammelleidenschaft erreichen kann. Die nach Verbandsschätzungen rund 10 000 Künstler in der Stadt sorgen für ein beispiellos kreatives Klima. Größen wie Olafur Eliasson, John Bock und Isa Genzken haben hier ihre Ateliers. Der Maler Daniel Richter hat gerade seinen Umzug von Hamburg nach Berlin angekündigt.

Für Aufsehen sorgen zunächst einmal die großen Galerien, die regelmäßig Stars aus der internationalen Kunstszene präsentieren. So zeigt der Berliner Ableger des Londoner Hauses Haunch of Venison nach Damien Hirst & Michael Joo vom 10. September an die Ausstellung »Das Gift« von Beatles-Witwe Yoko Ono. Und die Galerie Mensing eröffnete kürzlich ihre zweite Berlin-Dependance unweit des Brandenburger Tors mit einer Schau der amerikanischen Neo-Pop-Art-Ikone Romero Britto.

Zulauf haben aber auch die vielen mittelständischen Häuser, die das mittlere Preissegment bedienen, sowie die unzähligen trendigen und innovativen Spots. In der Auguststraße etwa, der legendären Keimzelle des Nachwende-Kunstbooms, findet sich rund um die Kunst-Werke Berlin und die renommierte Fotogalerie C/0 eine bunte Mischung von Angeboten.

Am einstigen Checkpoint Charlie haben sich mittlerweile rund 50 Galerien mit teils recht hochkarätigen Werken etabliert, darunter auch die Galerie Tammen. Und in letzter Zeit wird zunehmend die Potsdamer Straße zum In-Quartier. Allerdings: Ihren Umsatz machen die Galerien nur zu 30 Prozent mit Käufern aus Berlin. Mehr als zwei Drittel des Geldes bringen auswärtige und internationale Kunden.

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