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Frieden durch Glockengeläut?

Bärbel Schindler-Saefkow über das Gedenken an die Opfer von Hiroshima / Die Historikerin, Tochter des 1944 ermordeten Kriegsgegners Anton Saefkow, steht dem Deutschen Friedensrat vor

Fragwürdig: Frieden durch Glockengeläut?

ND: Im Berliner Volkspark Friedrichshain gibt es seit 1989 einen japanischen Pavillon mit einer Friedensglocke. Sie haben damals den ersten Glockenschlag getätigt. Wie kam es dazu?
Schindler-Saefkow: Zum 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges hat die World Peace Bell Association, die japanische Friedensglockengesellschaft, zwei identische Glocken für Warschau und Berlin gestiftet. Die Vizepräsidentin dieser Gesellschaft hat mit mir dann am 1. September 1989, dem Tag des Überfalls auf Polen, dieses Friedenssymbol mit einem Schlegel ertönen lassen.

Was macht diese Glocke zum Symbol des Friedens?
Dem Glockenguss sind Münzen aus 103 Ländern beigemischt, die in aller Welt gesammelt worden sind, auch in der DDR und BRD. Damit soll Völkerverbundenheit symbolisiert werden. Die Idee stammt von einem Überlebenden des Atombombenabwurfes auf Hiroshima. Die erste Glocke dieser Art ist 1954 auf dem Gelände der UNO in New York eingeweiht worden. Es gibt sechs solcher Glocken in Japan sowie weitere in 15 anderen Ländern.

Ist der Deutsche Friedensrat noch in Kontakt mit der World Peace Bell Association?
Ja, wir sind sozusagen eine Außenstelle dieser international agierenden japanischen Organisation und halten den Kontakt zu gesellschaftlichen Kräften mit gleichem Anliegen in Deutschland aufrecht.

Glocken können den Frieden nur ein-, aber nicht herbeiläuten.
Leider nicht. Als wir zum 60. Jahrestag der Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki in Tokio waren und mit der World Peace Bell Association die weitere Zusammenarbeit vereinbart haben, bekundete deren Präsident große Sorge über die neuen Kriege in der Welt und sagte auch, er wisse sehr wohl, dass Glocken allein Frieden nicht sichern können.

Dazu bedarf es ...?
Unserer Meinung nach bedarf es dazu verstärkten Engagements aller Friedenswilligen, des zivilen Protestes der Bürger gegen immer neue verheerende Waffen und Militäreinsätze, die Konflikte nicht beseitigen, sondern verschärfen. Wichtig ist die weitere Vernetzung von Friedensaktionen und -initiativen, national und international. Der Deutsche Friedensrat ist Mitglied verschiedener Bündnisse, darunter des Weltfriedensrates, und arbeitet mit den Organisatoren der alljährlich stattfindenden internationalen Kongresse gegen Atom- und Wasserstoffbomben zusammen. Wir sind in Verbindung mit den tapferen Aktivisten auf Okinawa, die sich mit gewaltfreien Mitteln gegen US-amerikanische Stützpunkte auf ihrer Insel zur Wehr setzen. Und wir unterstützen die Bewegung Bürgermeister für den Frieden, die 1982 von den Stadtvätern von Hiroshima und Nagasaki ins Leben gerufen wurde und der auch Berlin angehört.

Wird es in Berlin ein spezielles Gedenken zum 65. Jahrestag des Abwurfes der ersten Atombombe auf Hiroshima geben?
Deutschlandweit gibt es dies. Heute ist die Nacht der 100 000 Kerzen, die nach japanischer Sitte an verschiedenen Orten angezündet werden. In Berlin lädt ein Bündnis aus Vertretern des Stadtbezirks Friedrichhain-Kreuzberg und diverser Friedensinitiativen ein, morgen, am 6. August, an der Weltfriedensglocke im Friedrichshain zu erinnern und zu mahnen. Das Gedenken dort beginnt 16 Uhr mit japanischer Trommelmusik und erlebt seinen Höhepunkt im nun schon traditionellen Glockengeläut. Zudem findet von Freitag bis Sonntag auf dem Berliner Alexanderplatz ein Friedensfestival statt.

Fragen: Karlen Vesper

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