Ralf Klingsieck, Paris 17.08.2010 / Ausland

Mit Brachialgewalt gegen Roma-Lager

Frankreich: Polizei setzt Sarkozys Repressionskurs um / Kritik auch aus Regierungspartei

In den vergangenen zwei Wochen wurden in Frankreich 42 Roma-Lager aufgelöst und ein Teil ihrer Bewohner sofort in ihre Heimat abgeschoben. Das hat Innenminister Brice Hortefeux stolz vor den Medien erklärt und betont, dass diese Aktionen weitergingen.

Präsident Nicolas Sarkozy hatte in einer Rede am 21. Juli in Grenoble angekündigt, dass in den nächsten Monaten 300 der 600 illegalen Lager im Lande »polizeilich aufgelöst« würden. Die jüngste derartige Aktion fand am Wochenende unter massivem Polizeieinsatz in der Pariser Vorstadt Montreuil statt, wobei 110 Männer, Frauen und Kinder aus ihren Hütten und Zelten vertrieben und diese zerstört wurden. Gegen die mit äußerster Brutalität vorgenommene Vertreibung der Roma gab es spontane Proteste von Einwohnern. Nach Prüfung der Papiere wurden 16 Männer in Haft genommen, um nach Rumänien abgeschoben zu werden. Andere erhielten die Aufforderung, mit eigenen Mitteln umgehend das Land zu verlassen. Tatsächlich jedoch suchten sich die Vertriebenen – wie vor ihnen schon viele ihrer Landsleute in ähnlichen Fällen – einfach nur ein neues Brachland oder ein leerstehendes Gebäude.

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