Werbung

Rüssel mit Biss und Automatik

  • Von Prof. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Für Elefanten ist der Garten zu klein. Es gibt darin aber interessante Rüsseltiere, die in unterschiedlicher Weise ursprünglich zum Beißen und Kauen bestimmte Mundwerkzeuge im Lauf der Evolution in ganz verschiedener Weise zu Rüsseln umgestaltet haben.

Da sind zunächst die Rüsselkäfer, deren Rüssel unter günstigen Aufwachsbedingungen (Haselnüsse oder Eicheln) gar ihre Körperlänge erreicht. Naheliegend wäre die Annahme, dass sie den Rüssel wie die anderen Rüsseltiere zum Saugen benutzen. An der Spitze des Rüssels tragen sie indes einen winzigen Satz von Mundwerkzeugen, die zum Beißen geeignet sind. Damit werden erst Löcher in die noch weichen Haselnüsse oder Eicheln genagt, dann wird per Rüssel ein Ei tief in die Frucht geschoben. Schlucken können sie durch den Rüssel kaum etwas.

Körperlange Rüssel gibt es auch bei anderen Insekten des Gartens. Etwa bei manchen Schmetterlingen, deren Rüssel eine Automatik hat, mit der sie augenblicklich zu einer Spirale aufgerollt werden können. Auch die nicht einziehbaren Rüssel von Wollschwebern, schon im Anflug der Blüte entgegen gestreckt, sind körperlang. Bei diesen und anderen Insekten muss der Nektar wohl weitgehend durch Kapillarwirkung gefördert werden. Menschen jedenfalls könnten vergleichsweise sicher nichts mit einem Trinkhalm oder Schlauch von Körperlänge aufsaugen.

Pelzbienen (Foto: Sedlag) zu fotografieren, ist schwierig, denn sie lassen sich, von Blüte zu Blüte hastend, für jede höchstens zwei Sekunden Zeit. Ob sie so schnell schlürfen können?

Die Anwesenheit von Zikaden und Blattläusen erkennt man oft an Saugflecken. Sie sondern nämlich ein Sekret ab, dass das Chlorophyll um die Einstichstelle zerstört. Sind die Rüssel auch noch so fein, enthalten sie doch zwei Kanäle, die eine Sekretabgabe ermöglichen. Das gilt übrigens auch für die Rüssel von Wanzen.

Fühlbar wird uns das zur Verhinderung der Blutgerinnung von Stechmücken eingespritzte Sekret. Auch die zu den Wanzen gehörenden Rückenschwimmer, die sich in jedem Gartenteich einstellen, können stechen. Bei Stubenfliegen lässt sich leicht beobachten, wie sie mit ihrem Tupfrüssel ein Zuckerkörnchen bearbeiten, wobei die Abgabe von etwas »Spucke« deutlich ist. Einen Tupfrüssel haben auch Schwebfliegen, die damit Nektar aufnehmen. Dass sie sich damit auch Blütenstaub einverleiben können, stellte ich zu meinem Erstaunen fest, als ich den Darm einer präparierten einmal ganz mit Blütenstaub angefüllt fand.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen