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Wandern auf Hauptmanns Spuren

ND-Herbsttour bewegt sich am 19. September nahe der Villa Lassen, wo der Literat einst wohnte

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Villa Lassen innen und außen.
Die Villa Lassen innen und außen.

Seine erste Frau Marie litt unter der Einöde. Gerhart Hauptmann selbst zog wegen seiner angeschlagenen Gesundheit raus ins Grüne. 1885 bis 1889 lebte die Familie in Erkner. Es waren keine glücklichen Jahre, aber für den Schriftsteller in der Rückschau doch sehr wichtige. Der erfolglose Bildhauer machte hier seine ersten Schritte zum erfolgreichen Literaten. Von seinen Milieustudien in Erkner profitierte er noch lange später. Bei Spaziergängen – etwa auf der alten Poststraße und am Karutzsee – ließ er sich inspirieren. An der in Erkner angenommenen Gewohnheit, vor dem Schreiben beziehungsweise vor dem Diktat Spaziergänge zu unternehmen, hat er festgehalten.

Wandern auf Hauptmanns Spuren

ND-Leser werden am 19. September auf den Spuren Hauptmanns wandern. Die Herbsttour startet von 8 bis 11 Uhr am Bahnhof Erkner und führt zum Gasthaus »Löcknitz Idyll« an der Fangschleusenstraße 1. Die sechs Kilometer lange Strecke streift zwar nicht das Gerhart-Hauptmann-Museum in der Villa Lassen, berührt jedoch die Gerhart-Hauptmann-Straße, an deren Beginn sich die Villa befindet. Der Abstecher ins Museum – es sind nur einige hundert Meter – ist wärmstens zu empfehlen. Es werde am 19. September extra für die ND-Leser bereits um 10 Uhr öffnen, hat Museumsleiter Stefan Rohlfs versprochen.

Zu besichtigen sind Schlaf-, Wohn- und Arbeitszimmer der Hauptmanns, ausgestattet mit Möbeln aus dem Nachlass. Die grüne Sitzgruppe hat hier früher wirklich gestanden. Der Künstler hatte das Untergeschoss gemietet und außerdem den Garten, in dem er mit Gästen Krocket spielte. Das Obergeschoss teilte sich der Hauseigentümer Nicolaus Lassen mit zwei weiteren Mietparteien. In einem Anbau zeigt das Museum unter anderem Bücher, ein Schulzeugnis, Gemälde, einen Frack und das besagte Krocketspiel. Die aktuelle Dauerausstellung wurde im Sommer 2007 eröffnet.

Berühmt und schließlich vermögend machten den Schriftsteller seine frühen naturalistischen Bühnenstücke: »Vor Sonnenaufgang«, »Die Weber« und »Der Biberpelz«. Hauptmann sorgte für Theaterskandale, erregte wegen der schonungslosen Schilderung sozialer Missstände den Zorn des Kaisers. In der Zeit des Gesetzes gegen die angeblich gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie geriet Hauptmann beinahe in die Fänge der Justiz. Nachdem er 1887 als Zeuge in einem Sozialistenprozess aussagen musste, wich er vorsichtshalber für einige Zeit nach Zürich aus.

Gegen die Faschisten hat sich Hauptmann nicht gestellt. In einem Brief schrieb er 1933, es sei für ihn selbstverständlich, gegen die neue Regierung »nicht zu frondieren«. Der Kritiker Alfred Kerr notierte enttäuscht: »Er hat aber mit dem letzten bisschen Kraft den Hakenkreuzlappen gehisst auf seinem Haus; aus Furcht, aus Vorteilssucht, aus schmieriger Schwäche ...« Die Nazis versuchten, sich im Glanz des Literaturnobelpreisträgers von 1912 zu sonnen, wollten ihn aber andererseits nicht zu sehr hoffieren, da er kein Mann ihres Geistes war.

1946 besuchte Johannes R. Becher den Altmeister auf dessen Anwesen im nun polnischen Agnetendorf und überzeugte ihn, bei der demokratischen Erneuerung Deutschlands im Osten mitzuwirken. Doch bevor es dazu kommen konnte, starb Hauptmann.

Die Mutter Wolffen aus dem »Biberpelz« hatte ihr Vorbild in Hauptmanns Haushaltshilfe in Erkner. Die rechtschaffene Marie Heinze fürchtete um ihren Ruf – wegen der dichterischen Freiheiten, die sich der einstige Brötchengeber erlaubt hatte. Deswegen herrschte sie später einen Journalisten an: »Jehn Se man weg mit Hauptmann. Ick will von dem Mann nischt wissen! Übahaupt von der janzen Sache nischt!«

Die Anfänge des Hauptmann-Museums in Erkner liegen im Jahr 1957. Schrittweise dehnte sich die Ausstellung in der Villa Lassen und im Anbau aus. In der DDR besuchten viele Arbeitskollektive das Haus. Nach der Wende brachen die Besucherzahlen ein, und der Fortbestand des Museums stand zeitweilig auf der Kippe. Doch es konnte sich halten. Inzwischen kommen 7000 bis 8000 Besucher pro Jahr, sagt Leiter Rohlfs. Mehr wären besser, findet er. Das Archiv steht auf Anfrage Wissenschaftlern, aber auch interessierten Laien offen.

Gerhart-Hauptmann-Museum in Erkner, Gerhart-Hauptmann-Str. 1-2, Di. bis So. von 11 bis 17 Uhr, Eintritt: 2 Euro, ermäßigt 1,50 Euro

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