Bienen bei jungen Berlinern im Trend

Imker-Nachwuchs aus der Großstadt / Hobby für Selbstversorger attraktiv

  • Von Anja Sokolow, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

Imker Marc-Wilhelm Kohfink erinnert sich noch gut an seine Anfänge: »Vor zehn Jahren war ich Mitte 30. Da wurde ich von älteren Imkern süßlich angelächelt und gefragt, ob ich die Babyklasse eröffnen wolle.« Inzwischen ist er im Vorstand des Berliner Imkerverbands und bietet selbst Kurse für den Nachwuchs an. Die seien immer gefragter und zwar von jungen Leuten. »Vor drei Jahren hatte ich sieben und in diesem Jahr 30 Teilnehmer«, sagt der Imker. »Die Imkerei ist in der Großstadt etwas Exotisches«, sagt Kohfink. Außerdem sei das Umweltbewusstsein gestiegen und das Hobby für Selbstversorger attraktiv.

Zu den Neu-Imkern gehört seit 2009 auch der 34-jährige Olaf Wenke. »Die Natur ist mir extrem wichtig«, sagt der DJ und Moderator, der sich als »eher alternativ« beschreibt. Bei Kohfink lernte er alles Wichtige rund um die Bienenhaltung und Honigernte. Seit seine Völker im Garten der Eltern stehen, hätten diese keine Probleme mehr mit der Bestäubung ihrer Obstbäume und Sträucher, sagt Wenke, der sich über seine erste Ernte – 30 Kilogramm Lindenhonig – freut.

Diese Sorte sei in der Hauptstadt am weitesten verbreitet. Die Bäume in den Parks, Friedhöfen und Alleen böten den Bienen beste Bedingungen, erklärt Kohfink. »Im Juni und Juli riecht Berlin regelrecht nach Linde«, sagt der Imker. »In der Stadt ist der Tisch für Bienen reich gedeckt. Auf dem Lande gibt es die Obstgärten, dann kommt der Raps und dann nichts mehr.« Die Honigernte falle dort mit bis zu 20 Kilogramm pro Volk oft nur halb so erfolgreich aus wie in einer Stadt. »Es klingt paradox, aber die Bedingungen sind in Städten besser.«

»Dort gibt es keine Monokulturen und Pestizide«, erklärt auch die Sprecherin des Deutschen Imker Bunds, Petra Friedrich. Entsprechend steige die Zahl der Imker vor allem in den Städten. Durch den zunehmend jüngeren Nachwuchs sei das Durchschnittsalter von 61 im Jahr 2008 auf heute 59 gesunken. Außerdem beschäftigten sich immer mehr Frauen mit dem traditionellen Männerhobby. Auch in Berlin sei die Zahl der Imker nach einem langen Abwärtstrend wieder gestiegen. Inzwischen liege sie bei etwa 550 Imkern mit rund 2500 Bienenvölkern, erklärt Kohfink. Nachwuchssorgen gebe es nicht.

Als erfolgreich haben sich auch Probe-Imker-Angebote einzelner Vereine wie in Tempelhof und Zehlendorf erwiesen. Gegen einen Obolus »mieten« Anfänger einen Sommer lang ein Bienenvolk und lernen das Handwerk an der Seite eines erfahrenen Imker-Paten Schritt für Schritt. Neben dem Wissen stellt der Imker auch die Technik. Wer Spaß daran findet, kann das Volk behalten und weitermachen. Zehn Nachwuchsimker konnten die Tempelhofer dadurch seit 2007 gewinnen, berichtet Vorstandsmitglied Volker-Ekkehard Krüger. Der Verein bestehe jetzt nicht mehr nur aus »Grauhaarigen«.

In Zehlendorf bietet der Vereinsvorsitzende Benedikt Polaczek an der Freien Universität kostenlose Imker-Kurse an. »Ein Teil lernt bei unseren Imkern dann das Praktische«, erklärt er. In drei Jahren sei die Mitgliederzahl so von 42 auf 79 gestiegen, darunter seien auch sehr junge Berliner. »Unser jüngster Imker geht in die neunte Klasse«, sagt Polaczek. Aber auch für Frauen sei die Imkerei inzwischen attraktiver. »Die heute verbreiteten Bienenrassen sind viel sanfter als noch vor 50 Jahren.«

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