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»Ihr müsst die Leute besser bezahlen«

Lohnniveau in Brandenburg deutlich unter Westniveau / Niedriglöhne Problem für die Wirtschaft

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 2 Min.
Das niedrige Lohnniveau in Brandenburg wächst sich nach Auffassung von Arbeitsminister Günter Baaske (SPD) zu einem Risiko für die brandenburgische Wirtschaft aus.

Brandenburgs Arbeitsminister Günter Baaske (SPD) unterstrich bei der gestrigen Vorstellung des diesjährigen Betriebspanels, dass die geringe Bezahlung schon zu einem messbaren Fachkräftedefizit im Land geführt geführt. »Ihr müsst die Leute besser bezahlen«, forderte Baaske die Wirtschaft auf. Ihm zufolge wird in der gewerblichen Wirtschaft des Landes ein Durchschnittslohn von 1770 Euro gezahlt, das seien 77 Prozent vom Durchschnittslohn West. Wenn man bedenke, dass im Osten dafür auch noch länger gearbeitet werden müsse, dann müssten eigentlich 72 Prozent genannt werden. Baaske: »Das ist das eigentliche Dilemma«. In Kleinstbetrieben bis vier Mitarbeiter, wie sie in Brandenburg vorherrschen, erhalten die Beschäftigten durchschnittlich gar nur 46 Prozent von West-Tarif. So sei es kein Wunder, das Jahr für Jahr 12 000 junge Menschen auf der Suche nach besserer Bezahlung das Land verlassen.

Zum Teil zahlen inzwischen polnische Betriebe besser als deutsche, sagte Baaske. Sollten sich an dieser Stelle nicht rasch Verbesserungen ergeben, »gelingt es uns nicht, die nötige Zahl an Fachkräften im Land zu halten«.

Im Rahmen des Betriebspanels wurden nach Angaben des Ministers zwischen Juli und Oktober des Vorjahres 973 märkische Betriebe befragt. Demnach sei das Land »aus der Krise gut herausgekommen«. Im ersten Halbjahr des Krisenjahres 2009 sei die Zahl der Neueinstellungen sogar von 34 000 auf 36 000 gestiegen.

Leider habe in der gleichen Zeit die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 12 000 auf 201 000 zugenommen, setzte der Minister hinzu. Davon seien vor allem Frauen betroffen. Die meisten hätten eine Teilzeitbeschäftigung oder Leiharbeit angenommen, weil sie keine Vollzeit-Stelle gefunden hätten. Auf diese Weise können sie schneller »geheuert und gefeuert werden«. Die Zahl der Vollzeitstellen dagegen »stagniert«.

Trotz Zunahme bei Neueinstellungen blieben im ersten Halbjahr 2009 rund 6000 Stellen für Fachleute unbesetzt. Aufgrund der miserablen Bezahlung entfalle ein Drittel davon auf die Kleinstbetriebe, erklärte Baaske. Aber auch das Gesundheitswesen, das verarbeitende Gewerbe, das Bildungs- und Sozialwesen wiesen unbesetzte Stellen auf. »Noch ist es keine katastrophale Entwicklung«, konstatierte Professor Jürgen Wahse, der mit der Studie beauftragt war. Bei der bedenklichen Frage der vielen Teilzeit-, befristeten und anderweitig prekären Beschäftigungen bilde der öffentliche Dienst mit vielen solcher Stellen übrigens keine Ausnahme, sondern weise mit 39 Prozent sogar einen höheren Anteil auf als der private Sektor mit 29 Prozent, was auch den Minister überraschte.

Baaske zufolge wird das neue Vergabegesetz am Mittwoch in die ministerielle Ressortabstimmung gehen. Darin legt das Land für die Vergabe eigener Aufträge einen Mindestlohn von 7.50 Euro fest.

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