Auf Spurensuche

Das Lichtblick gibt dem Dokumentarfilm einen festen Platz

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 3 Min.

Die AG Dok als Berufsverband und Interessenvertretung der Filmschaffenden im Dokumentarfilmbereich ist Veranstalter einer neuen Filmreihe, die das Kollektiv vom Lichtblick-Kino ab August an jedem vierten Dienstag im Monat präsentiert.

Gleich der erste Film heute abend ist ein Knaller: in »Asalto al sueño« (Angriff auf den Traum) zeigt Uli Stelzner den amerikanischen Traum aus der Perspektive derer, die davon ausgeschlossen bleiben. Dass der Filmemacher sich in der bewegten Geschichte Guatemalas auskennt, hat er mehrfach bewiesen, zuletzt mit »La isla – Archive einer Tragödie« über die Aufarbeitung geheimer Polizeiarchive, in denen sich der Staatsterror der Bürgerkriegsjahre mit Brief und Siegel dokumentiert findet (siehe ND-Interview vom 27.April). Auch »Angriff auf den Traum« beginnt in Guatemala, am Grenzfluss zu Mexiko. Diesmal aber überschreitet Stelzner die Grenze und macht sich mit zentralamerikanischen Emigranten, die nordwärts in die USA streben, auf den Weg.

In Gesprächen am Rande von Straßen und Gleisen dokumentiert er, wie aus dem amerikanischen Traum ein mexikanischer Albtraum wird. Korrupte Polizei, feindliche Einwohner, bewaffnete Banden, Menschenhandel und Abschiebehaft, dazu die Züge selbst, die für den übermüdeten Reisenden zur tödlichen Gefahr werden. Stelzner durchläuft die ganze Palette der Gefahren und Demütigungen. Mal persönlich, mal in Gesprächen, in denen der Regisseur fragend zu hören ist, sich um Präzision bemüht (»hast du das selbst gesehen, oder hat man dir das erzählt?«) oder hörbar um das Wohlergehen seiner Gesprächspartner besorgt ist. Er ist einer von ihnen – und doch auch wieder nicht. Weil er einen Ausweg hat aus der Misere, weil er zurück kann nach Hause. Und mit seinen Bildern vielleicht etwas ändern kann, wenn der Film in den USA und in Lateinamerika gezeigt wird.

Es sind Filme unterschiedlicher Stile, die die AG Dok vorführt, neuere und ältere Meilensteine im Werk ihrer Regisseure, die auch mal im Fernsehauftrag arbeiten, hier aber mit unabhängigen Arbeiten auftreten. Stelzners mit einer Mini-DV-Kamera gedrehte Dokumentation stammt von 2006, der zweite Beitrag der Reihe ist noch auf Film gedreht. Für »Mein Traum, meine Liebe, meine Hoffnung« (28.9.) reiste Martina Fluck 1993 mit der betagten Fotografin Eva Siao an die Stätten ihres Lebens, nach Schlesien, Stockholm und China. Dort erzählt Siao von ihrer Begegnung mit dem letzten Kaiser von China, den sie als Mädchen heiraten wollte und später als Gärtner im Botanischen Garten von Peking kennenlernte. Von Mao, mit dem sie am Tisch saß in seinem Hauptquartier in Yan’an, weil er ein Freund ihres Mannes war. Und von ihrem Zerwürfnis mit Friedrich Wolfs Witwe Else, die ihr die Begeisterung für den chinesischen Kommunismus vorhielt.

Im Oktober denkt Gerburg Rohde-Dahl in »Ein weites Feld« angesichts der Bauarbeiten zum Holocaust-Mahnmal über die Rolle ihres Vaters in der Nazizeit nach, über die glückliche Kindheit in Polen, die sie nicht in Zusammenhang brachte mit Krieg und Besetzung, und über Fragen von Schuld und Verantwortung. Sie regt sich auf über spielende Kinder und sonnenbadende Erwachsene und geht in ihrer zunehmend differenzierten Betrachtung trotzdem einen Schritt über Lea Rosh hinaus, die jede vergleichbare Mahnmal-»Nutzung« kategorisch verurteilt.

Im November forscht Pfarrerstochter Angela Zumpe im frisch uraufgeführten »TRANSIT« nach den letzten Lebensstationen ihres Bruders, der aus ihrem westdeutschen Elternhaus in die DDR floh – und sich umbrachte. Und im Dezember ist dann Sophie Narrs Babelsberger Abschlussfilm »Der Die Das« zu sehen, der Hartz IV- und Migranten-Kindern an ihren Weddinger Schulbänken auf Augenhöhe begegnet.

Lichtblick-Kino, Kastanienallee 77, jeden vierten Dienstag im Monat (24.8., 28.9., 26.10, 23.11. und 21.12.) jeweils 18 Uhr und in Anwesenheit des Regisseurs. Info unter der Tel. 44 05 81 79 oder www.lichtblick-kino.org

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