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Generika-Gigant will wachsen

Mit Ratiopharm wurde der israelische Teva-Konzern Nummer 1 in Europa

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Die israelische Pharmafirma Teva ist der größten Generikahersteller der Welt und zudem bekannt für seine ausgeprägte Expansionspolitik. Gerade kaufte Teva den deutschen Arzneimittelhersteller Ratiopharm und sichert sich damit eine Vorreiterstellung in Europa.

Am 10. August konnte der israelische Generikahersteller Teva (hebräisch für Natur) die nunmehr vollendete Übernahme der Ulmer Pharmafirma Ratiopharm bekannt geben. Das israelische Unternehmen mit einem Börsenwert von 32 Milliarden Dollar ist bereits Weltmarktführer bei Generika, also solchen Arzneimitteln, deren Patentschutz ausgelaufen ist. Nunmehr ist Teva Pharmaceuticals auch Branchenprimus in zehn Ländern Europas sowie unter den ersten drei in sieben weiteren Ländern des Kontinents. Aufgrund dieser neuen starken Stellung muss sich das Unternehmen auf Druck der Europäischen Union aber von Geschäften in den Niederlanden und Ungarn trennen.

Und die Aussichten in der Generikabranche sind gerade günstig: So werden bei den fünf größten Konzernen weltweit bis 2014 Medikamente im Wert von rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes patentfrei. Der Branchendienst IMS Health prognostiziert einen weltweiten Generikaumsatz bis 2015 von 150 Milliarden Euro. Teva selbst strebt bis dahin mehr als eine Umsatzverdoppelung auf rund 31 Milliarden Dollar an. Auch in den kommenden Jahren soll ein Drittel des Wachstums aus Übernahmen kommen. Die Bundesrepublik, wo der Konzern bisher wenig aktiv war, gilt international als zweitgrößter Markt für Arzneimittel mit abgelaufenem Patentschutz.

Teva zahlte 3,8 Milliarden Euro für die bisherige deutsche Nummer zwei bei den Nachahmermedikamenten. Der deutsche Zweig des Unternehmens wird 3500 Mitarbeiter haben. Geplant ist, die von Adolf Merckle 1973 begründete Marke Ratiopharm fortzuführen. Jedoch verspricht sich der neue Eigner Teva Einsparungen von 400 Millionen Dollar (305 Millionen. Euro), die in den nächsten drei Jahren erzielt werden sollen. Während die Europazentrale im niederländischen Utrecht bleibt, wird der Stammsitz der Deutschlandtochter vom sächsischen Radebeul nach Ulm verlegt. Im Bieterprozess hatte Teva zudem den Eindruck erweckt, dass Ulm gute Chancen habe, auch die Europazentrale aufzunehmen.

Dank Ratiopharm erreicht Teva in der Bundesrepublik ein Marktvolumen von 8,8 Milliarden Euro und steht damit auf Platz zwei hinter der Sandoz/Hexal-Gruppe, die dem Schweizer Novartis-Konzern gehört. Bisher war der israelische Konzern mit mehr als 35 000 Mitarbeitern weltweit und einem Jahrsumsatz von über 16 Milliarden Dollar in Deutschland kaum bekannt, trotz der Übernahme von AWD.pharma in Radebeul und einem weiteren Standort in Hessen.

Teva ist an Börsen in den USA, Tel Aviv, London und Frankfurt am Main notiert und verfolgt seit den 1980er Jahren einen kaum gebremsten Expansionskurs, der in der Branche gefürchtet ist. Im Generikageschäft lassen sich Größenvorteile in Produktion und Logistik besonders profitabel ausbeuten. Hier vereint das wenig auskunftsfreudige israelische Unternehmen Finanzstärke mit flexiblen Strukturen. Die gute Aufstellung von Ratiopharm im Vertrieb und bei den Produktionskosten war also zugleich ein weiteres Argument für die Übernahme.

In den vergangenen Jahren hatte sich Teva bereits US-Konkurrenten wie Ivax für 7,4 Milliarden Dollar und Barr Pharmaceutical für 7,5 Milliarden Dollar einverleibt. Andererseits hatte das Unternehmen aus Kostengründen aber 2009 auch je eines seiner tschechischen und irischen Werke geschlossen.

Die Wurzeln des Konzerns gehen auf eine bereits 1901 gegründete Vertriebsfirma für importierte Medikamente zurück, die 1970 mit zwei kleinen Pharmaherstellern fusionierte. Ab den 1980ern baute Teva dann sein Geschäft in den USA aus.

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