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In Asien Nummer eins, bei uns Randsport

DBV-Sportdirektor Martin Kranitz über die Badminton-WM in Paris und die Chancen der Deutschen

Die Badminton-WM in Paris ist bereits in vollem Gange. Im ND-Interview spricht der 42-jährige Saarländer MARTIN KRANITZ (Foto: DBV), seit 2005 Sportdirektor des Deutschen Badminton Verbandes (DBV), mit MANUEL WECKER über die Bedeutung der Sportart in Deutschland, die Unterschiede zwischen Europa und Asien sowie das Turnier in Frankreich.

ND: Seit Montag kämpft die Weltelite des Badminton in der französischen Hauptstadt um Medaillen. Ist auch für einen der zehn deutschen Athleten etwas zu holen?
Kranitz: Die besten Chancen haben Juliane Schenk und Marc Zwiebler. Das Ziel von Juliane ist es, ins Viertelfinale zu kommen. Marc hat es etwas schwieriger, da er gegen den Weltranglistenzweiten antreten muss. Daher hoffen wir vorerst auf einen Achtelfinaleinzug. Alles weitere werden wir sehen.

Sie sind mit Ihren Einschätzungen sehr vorsichtig.
Natürlich möchten beide eine Medaille gewinnen. Niemand tritt an, um irgendwann aus einem Turnier auszuscheiden. Man muss aber auch zugeben, dass die asiatischen Spieler stärker sind. Trotzdem müssen sie erst einmal auf den Court und unsere Spieler schlagen.

Ist die WM gut besucht?
In Paris kann man immer mit vielen Zuschauern rechnen, die Halle ist fast ausverkauft. Hier passen mehr als viereinhalbtausend Badminton-Fans rein.

Wäre dies auch in Deutschland möglich?
Wenn wir die WM in Deutschland austragen würden, könnte man mit ähnlichen Zahlen rechnen. In Asien hingegen sind zehn- bis zwölftausend Zuschauer keine Seltenheit. Badminton ist dort sehr populär, vergleichbar mit Fußball in Europa. Da ist dann auch die Stimmung ganz anders.

Wie populär ist der Sport in Deutschland und weltweit?
In Deutschland ist Badminton eine Randsportart. Lediglich bei wichtigen Turnieren und Länderspielen kann man mit breiter Resonanz rechnen. Das ist in Asien anders. Speziell in den Ländern Malaysia und Indonesien ist Badminton Sportart Nummer eins. Die Athleten sind dort sehr bekannt, Fernsehübertragungen erzielen hohe Quoten. Die Spieler erhalten große Werbeverträge, beispielsweise für weltbekannte Schokoriegelmarken. In Deutschland besteht solch mediales Interesse nicht.

Möchten hierzulande viele Jugendliche Badminton spielen?
Was unsere Mitgliederzahlen angeht, hatten wir einen großen Aufschwung bis Ende der 90er Jahre, dann folgte die Stagnation. Momentan zählen wir 220 000 aktive Mitglieder in Deutschland, Tendenz leicht steigend.

1968 und 1982 gab es in Deutschland eine EM, eine WM hingegen noch nie. Wird sich das in naher Zukunft ändern?
Wir würden gerne ein großes internationales Turnier ausrichten. Es gibt jedoch Schwierigkeiten, einen geeigneten Fernsehvertrag zu erhalten. Dieser ist leider ein wichtiges Vergabekriterium für den Weltverband. Dass es daran scheitert, ist natürlich ernüchternd.

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