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Auferstanden aus Spreepark-Ruinen

Nach über acht Jahren öffnen sich erstmals wieder die Tore des Kulturareals – für einen Rave

Am Wochenende möglicherweise Spielwiese für tausende Raver: der Spreepark.
Am Wochenende möglicherweise Spielwiese für tausende Raver: der Spreepark.

Spekulationen über den ehemaligen Kulturpark im Plänterwald gibt es immer wieder. Auf dem knapp 30 Hektar großen Gelände, das seit nunmehr über acht Jahren geschlossen ist, sollte mal ein ökologisches Permakulturgelände entstehen, dann ein Historien-Park. Vielen Anwohnern wäre es am liebsten, wenn das Areal komplett renaturiert würde. Doch wirklich Spruchfestes gab es nicht zu vermelden. Potenzielle Investoren wurden nicht zuletzt durch zehn Millionen Euro schwere Hypotheken abgeschreckt, die der ehemalige Besitzer Norbert Witte bei einer Bank angehäuft hatte.

Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache. Am kommenden Wochenende soll der Spreepark erstmals wieder seine Tore öffnen: Für Sonnabend und Sonntag ist dort eine elektronische Tanzveranstaltung geplant. 3000 Raver hat die Organisatorin, eine New Yorkerin namens Jenny Tan, angemeldet. Die Liste der gebuchten Künstler und DJs ist beeindruckend.

Erstaunlich scheint allerdings, dass das Open Air »Luna Land« auf dem zugewucherten Gelände mit seinen kaputten Fahrgestellen und maroden Gebäuden genehmigt wurde – andere Veranstalter hatten selbst vor der Loveparade-Katastrophe von Duisburg weniger Erfolg, als sie dort Partys machen wollten. Doch offenbar hat inzwischen Pia Witte den Erbbaupachtvertrag von ihrem Mann übernommen und versucht mit den Einnahmen aus dem Techno-Rave die Kosten für die Sicherheitsfirma Emge, die das Gelände bewacht, abzuzahlen.

Beim zuständigen Bezirksamt Treptow-Köpenick bestätigt man unterdessen die geplante Veranstaltung. Laut Umweltstadtrat Michael Schneider (LINKE) wurde der Rave kürzlich unter zwölf Auflagen von seiner Seite genehmigt. Dazu zählt unter anderem, dass eine geschäftsfähige Ansprechperson zur Verfügung stehen muss und dass an mehreren Stellen Lärmmessungen durchgeführt werden.

Die Anwohner des Geländes wurden bereits in Anhörungen informiert. Für das Sicherheits- und Brandschutzkonzept ist beim Bezirksamt jedoch eine andere Behörde zuständig, das Bau- und Wohnungsaufsichtsamt. Eine dortige Mitarbeiterin kann gegenüber ND indes noch keinen Vollzug vermelden. Die Anfrage sei sehr kurzfristig eingegangen und es werde daran gearbeitet. Sollten alle Anforderungen erfüllt werden, stehe der Veranstaltung allerdings nichts im Wege. Endgültig könne dies erst am Freitag entschieden werden, so die Mitarbeiterin. Da es sich um ein Privatgelände handele, sei man für den Spreepark nicht zuständig, erklärt darüber hinaus die Pressestelle des Bezirksamts. Auch die Berliner Polizei betont, dass sie zum gegenwärtigen Stand nur wegen der Verkehrsmaßnahmen mit einbezogen sei.

Die Art und Weise, in der der Rave auf dem Spreepark-Areal aus dem Boden gestampft wird, macht stutzig. Um so mehr, wenn man die Vorgeschichte der Veranstalterin kennt. Denn Jenny Tan organisierte bereits 2008 eine elektronische Musikveranstaltung, die »Minitek« in New York. Der »New York Times« sagte sie damals im Vorfeld, die Veranstaltung werde eine Spielwiese, um neue Sachen auszuprobieren. Und: »Wir wissen nicht, ob alles funktionieren wird oder die Gäste alles verstehen werden.« Was damals folgte, war ein Albtraum, nicht nur für die Gäste: Die gesamte Organisation des Festivals brach zusammen. Zuerst fiel die Soundanlage aus, dann soll mitten während der Veranstaltung, so wird es kolportiert, Jenny Tan als Organisatorin mit der Kasse stiften gegangen sein. Nachdem sie einige Zeit abgetaucht war, gestand Tan später freimütig ein, dass das Team total unterbesetzt war und keinerlei Erfahrung besessen habe. Sie könne verstehen, so Tan, dass einige Leute im Nachhinein unzufrieden seien. Künftig wolle man daraus aber lernen.

Dass dies passiert ist, muss man nicht zuletzt für die tausenden Berliner hoffen, die sich am Wochenende eine gute Sause erhoffen. Dass das Chaos diesmal ausbleibt, ist aber auch deshalb zu wünschen, weil auch andere Interessenten aus der lokalen Szene Pläne für den Spreepark haben – und zwar nachhaltige und langfristige.

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