Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Lichtenbergerin läuft in Monimbó

Zum 25-jährigen Jubiläum des Moia-Wandbildes reisten zwei Frauen von Berlin nach Nicaragua

Freundschaftslauf mit nicaraguanischen Jugendlichen (oben), das Wandbild in Lichtenberg (unten).
Freundschaftslauf mit nicaraguanischen Jugendlichen (oben), das Wandbild in Lichtenberg (unten).

Es war schon fast vergessen – nun erstrahlt es in neuem Glanz: Das Nicaragua-Wandbild in Lichtenberg. Seit Neuestem erfreut es sich besonders im seit einigen Jahren wieder von Sandinisten regierten Herkunftsland des Künstlers Manuel García Moia großen Interesses. Bedeutenden Anteil daran hat Christel Schemel, Koordinatorin der Lichtenberger Wandbildinitiative. »Nachdem wir das Bild durch Spendengelder vor sieben Jahren rekonstruieren konnten, wollte ich auch in Nicaragua die Botschaft vom geretteten Wandbild verbreiten«, erklärt sie.

Lichtenbergerin läuft in Monimbó

Zum 25-jährigen Jubiläum des Giebelwandgemäldes reiste sie im Juni zum dritten Mal in das mittelamerikanische Land. Mit dabei war die Lichtenberger Marathon-Läuferin Annette Flegel. Im Rahmen der Festlichkeiten zum Nationalfeiertag nahm sie mit Jugendlichen an einem Freundschaftslauf zum Denkmal von Monimbó teil. Dort hatten Sandinisten Ende der 70er Jahre etwa 6000 Menschen, denen Gewalt durch Schergen des damaligen Diktators Somoza drohte, evakuiert. Die Läufer trugen selbst kreierte Startnummern mit einem Foto des Wandbildes.

Die Frauen hatten zudem ein Geschenk mitgebracht: Eine zwei mal drei Meter große Kopie des Moia-Werks. Diese wurde am Vorabend des Revolutionsfeiertages im Beisein des Kulturministers Luis Morales Alonso in der Nationalgalerie feierlich enthüllt.

Das Original in Lichtenberg ist dagegen weit weniger prominent platziert. Spaziergänger auf der Lichtenberger Brücke sind eine Seltenheit. Denn es ist sehr laut zwischen der vielspurigen Frankfurter Allee und den breiten S-Bahn-Gleisen. Für mehr Aufmerksamkeit könnte jedoch das touristische Wegeleitsystem beitragen. Darin wurde das Bild inzwischen aufgenommen.

Das Wandbild wird von der Initiative liebevoll gepflegt. Doch wie lange noch, ist fraglich. Denn dafür müssten rund 1000 Euro im Jahr aufgebracht werden, beklagt Schemel. Scheinwerfer würden regelmäßig gesäubert sowie gelegentlich Schmierereien und Unkraut entfernt. Die Koordinatorin war viele Jahre PDS-Bezirksverordnete in Lichtenberg und hat gute Kontakte zur lokalen Politik. Sie will demnächst anregen, dass künftig der Bezirk mehr finanzielle Verantwortung für den Erhalt des Kunstwerks übernimmt.

Denn die Lebensdauer eines Wandbildes beträgt etwa 15 bis 20 Jahre. Und trotz seiner künstlerischen und zeitgeschichtlichen Bedeutung wurde dem Werk nicht immer die angemessene Pflege und Aufmerksamkeit zuteil. 1990 wurden die Sandinisten abgewählt und die DDR mit der Bundesrepublik vereinigt. Seitdem verblich das Wandbild als Relikt vergangener Zeiten zusehends.

Vor sieben Jahren drohte es sogar vollständig zu verschwinden, weil eine neue Dämmung des Hauses vorgesehen war. Für die Rettung des Kunstwerks gründete sich die Wandbildinitiative. Sie musste zunächst den Künstler ausfindig machen, um sein Einverständnis für die Rekonstruktion einzuholen. »Wir fanden ihn mit Hilfe der Kartei des ehemaligen Kulturattachés der DDR«, erinnert sich Schemel. Der heute 74-jährige Moia, der im US-amerikanischen Frederick (Maryland) lebt, gab seine Zustimmung. Mit Spendengeldern finanzierte die Initiative 2005 die Erneuerung des Bildes.

Die 255 Quadratmeter große Malerei, vom Berliner Magistrat und dem DDR-Kulturministerium in Auftrag gegeben, ist eines der letzten erhaltenen Wandbilder von Moia. Der Künstler sagte damals über sein am 27. August 1985 fertiggestelltes Werk: »Ich möchte einerseits den Widerstand, aber auch die Schönheit der Natur und einer alten Kultur zeigen.« Charakteristisch für seine naive Kunst ist die einfache Darstellung von Lebewesen und Gegenständen.

Das Giebelwandgemälde erinnert an die Kämpfe vom Februar 1978 in Monimbó. Als die Soldaten Somozas im Viertel von Masaya eindrangen, waren ihnen die dort lebenden Indios unterlegen. Sie waren lediglich mit Ackerbaugeräten, Macheten und wenigen Pistolen bewaffnet. Die Soldaten töteten etwa 343 Menschen, darunter auch Frauen und Kinder. Auch rund 50 Somoza-Getreue fielen den Kämpfen zum Opfer. Der Aufstand war der Beginn des linken Befreiungskampfes in Nicaragua.

Spendenkonto: Margot Denkert, Deutsche Bank, BLZ: 100 700 24, Kto.-Nr.: 470 361 760, Kennwort: Giebelbild

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln