Kein Ich ohne Wir

Der Mensch braucht die Gesellschaft – als partikulares Ego bleibt er sich selbst und anderen fremd

  • Von Jürgen Meier
  • Lesedauer: ca. 9.0 Min.

Für Karl Marx ist das Ich ein »individuelles Gemeinwesen«, das denkt und empfindet in Einheit mit dem gesellschaftlichen Sein. Das Ich verkörpert das »subjektive Dasein« des Wir. Ohne die Totalität des Gemeinwesens kann es nicht existieren, da es in seinem Denken stets an ein konkretes Sein gebunden ist. Selbst wenn dieses Ich das konkrete Sein ablehnt, in dem es lebt – es unmenschlich und ausbeuterisch findet –, kann es sich aus diesem Wir doch nicht verabschieden. Es bleibt in seinem Sein und Denken mit dem konkreten gesellschaftlichen Sein verbunden – auch mit dessen Art, die Natur zu bearbeiten und wissenschaftlich zu erforschen. Aber es beginnt, als kritisches oder leidendes Subjekt Alternativen zu jenem gesellschaftlichen Sein zu suchen, dessen Entfremdungen ihn quälen und leiden lassen.

Wenn auf die objektiven Entfremdungen der Gesellschaft mit falschem Bewusstsein reagiert wird, wenn etwa jemand seine Arbeitsl...

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