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Prinz Asserate

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Prinz Asfa-Wossen Asserate wurde durch sein sprachmächtiges Sittenbild »Manieren« bekannt. Nun hat der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie mit seinem Buch »Draußen nur Kännchen. Meine deutschen Fundstücke (Scherz, 188 S., geb., 18,95 €) ein Portrait seiner Wahlheimat Deutschland gezeichnet. Olaf Neumann sprach mit dem in Frankfurt am Main lebenden Prinzen.
ND: Dr. Asserate, Sie kennen sich besser aus in deutscher Kultur und Geschichte als so mancher hier Geborene. Wie kommt das?
Asserate: Ich hatte das Privileg, mich von früher Jugend an mit deutscher Kultur beschäftigen zu können. Meine deutsche Erzieherin brachte mir die Sprache bei. Mit sieben kam ich auf die deutsche Schule in Addis Abeba und mit 20 nach Tübingen, um dort zu studieren.

Warum legten Ihre Eltern so viel Wert auf eine deutsche Bildung?
Das äthiopische Kaiserhaus war eigentlich sehr anglophil. Mein Vater ist in England ausgebildet worden. Die deutschen Werte und Tugenden, wie Disziplin und Aufrichtigkeit, haben meine Eltern bewogen, ihren ältesten Sohn deutsch erziehen zu lassen. Ich habe mich schon in der Oberstufe für deutsche Literatur interessiert: Goethe, Schiller, Storm und Klopstock.

Sie kamen 1968 nach Tübingen. Wie fühlten Sie sich dort?
Schon als Exot. Wir waren nur sehr wenige Afrikaner an der Uni. Für die meisten Tübinger waren wir die ersten Dunkelhäutigen in ihrem Leben. Aber für die Studenten spielte die Hautfarbe keine Rolle; sie waren international.

Wie standen Sie zu den 68er Protesten?
Ich war schockiert über die Art und Weise des Protestes. Ich habe verstörte Professoren aus Hörsälen herausrennen sehen, weil man sie nicht reden ließ. Natürlich musste der alte Mief weg, aber meiner Ansicht nach hat man das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Ich weiß, dass ich von vielen als Anti-Achtundsechziger angesehen werde, was ich vielleicht aber gar nicht bin. Die 68er Bewegung hat auch mich zutiefst geprägt. Damals bin ich zum ersten Mal in Kontakt mit Demokratie gekommen. Es hat mich beeindruckt, wie wir im Studentenparlament tagsüber heftig stritten, abends an der Theke uns aber gemütlich zuprosteten. Das war etwas Neues. Der Afrikaner kennt »Freund« und »Feind«, dazwischen nichts. Ein Äquivalent für das deutsche Wort »Gegner« fehlt. Da können wir lernen.

Und was können die Deutschen von den Äthiopiern lernen?
Etwas mehr Gelassenheit. Nicht immer bierernst zu sein.

Foto: Gaby Gerster

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