Werbung

Gaddafi-Show in Italien

Rom hofft auf gute Geschäfte mit Libyen

  • Von Anna Maldini, Rom
  • Lesedauer: 2 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Muammar al-Gaddafi, allmächtiger Präsident Libyens, weilt in Rom und macht von sich reden. Dabei hat er schöne Pferde und schöne Frauen und schön gebundene Ausgaben des Korans. Und während in Italien die Islamophobie sonst auch in der Regierung grassiert, sind Premier und Minister diesmal wohlgesinnt. Denn Libyen ist einer der wichtigsten Handelspartner und Gaddafi ein enger Freund Silvio Berlusconis.

»Der Islam sollte die Religion Europas werden«, und »das Christentum ist unbedeutend« – das erklärte Muammar al-Gaddafi am Wochenende im Garten der Residenz des libyschen Botschafters in Rom vor 200 jungen Frauen, die verschiedene Modellagenturen extra dafür angeheuert hatten. Und am Montagabend sollten 30 Berberpferde in einer Kaserne der italienischen Carabinieri ihre Kunststücke zeigen. Wer einen allgemeinen Aufschrei bei der italienischen Rechten, für die der Islam doch sonst das »absolut Böse« ist, erwartet hatte, wurde enttäuscht. Ministerpräsident Berlusconi tat die Worte seines »Freundes« als »Folklore« ab, und andere Minister lächelten auch eher milde. Tatsächlich ist die Beziehung zwischen Italien und der ehemaligen Kolonie Libyen politisch und vor allem wirtschaftlich so wichtig, dass man gern über das exzentrische Auftreten und über das zweifelhafte Demokratieverständnis des libyschen Gastes hinwegsieht.

2008 wurde in einem Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Staaten eine »Wiedergutmachung« für die 30-jährige Kolonialzeit in Höhe von fünf Milliarden Dollar beschlossen (zahlbar in zehn bequemen Raten). Als Gegenleistung verpflichtete sich Libyen, den Flüchtlingsstrom zu stoppen, der sich von den Küsten des nordafrikanischen Landes über das Mittelmeer nach Italien ergießt. Und man erklärte sich bereit – doch das steht nicht im Vertrag –, italienischen Firmen mit Kapital und vor allem mit Großaufträgen unter die Arme zu greifen. Der Energiekonzern Eni und die Großbank Unicredit, aber auch der Fußballklub Juventus Turin haben inzwischen hohe libysche Beteiligungen; andere Konzerne wie Impregilo (Bauunternehmen) und Augusta (Militärhubschrauber) können sich über Millionenaufträge freuen. Italienische Firmen sollen eine Mittelmeerautobahn bauen, drei Universitäten und ein Gaddafi-Museum, vor allem aber dürfen sie weiter Erdöl fördern, und Italien braucht sich auch über die Erdgaslieferungen keine Gedanken zu machen.

Während der katholische Flügel innerhalb der Regierung über die öffentlichen Missionierungsversuche Gaddafis murrt (aber mehr auch nicht), verhält sich die ausländerfeindliche Lega Nord sogar ganz ruhig. Ihre Angst ist, dass ein verärgerter Gaddafi die Flüchtlingsschleusen wieder öffnen könnte. Dass jetzt viele dieser verzweifelten Menschen in der Wüste in Lagern festgehalten werden, zu denen Menschenrechtsorganisationen keinen Zutritt haben, und dass Libyen noch nicht einmal die internationale Flüchtlingskonvention unterzeichnet hat, spielt dabei keine Rolle.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen