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Rüstung und Ziviles Hand in Hand

Luft- und Raumfahrtindustrie wegen des Sparprogramms der Bundeswehr besorgt

  • Von Hermannus Pfeiffer, Hamburg
  • Lesedauer: 2 Min.
Auf dem 59. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress hob sich der Flugzeugbauer Airbus mit seinem neuen Jet A350 erneut als Überflieger ab.

Der zivile und der militärische Flugzeugbau »profitieren sehr stark voneinander«, meint Thomas Enders. Laut dem Airbus-Chef hat die Bundeswehr auch am neuen »A350 XWB« Anteil. Ohne Militärsubventionen würde es die ganz aus ultraleichten Kohlenfaserverbundwerkstoffen (CFK) hergestellte, 32 Meter lange Flügelschale des Langstreckenjets nicht geben.

Ein weiteres Beispiel für einen »Spin-Off« von der Rüstung ins Zivile steuerte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR), Detlef Müller-Wiesner, bei. Dass der Riesenvogel A380 geräuscharm durch die Lüfte schwebe, verdanke Airbus einer Simulationstechnik, die für den Bau des Kampfflugzeuges Eurofighter entwickelt worden war.

Besorgt schauen die Luftfahrtindustriemanager daher auf die Sparpläne von Verteidigungsminister zu Guttenberg. Diese könnten auch Abbestellungen für den Militärtransporter A400M oder den Eurofighter zur Folge haben. Guttenberg würde damit nicht alleine Airbus treffen. Dies wurde auf dem 59. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress deutlich, der am Donnerstag im Hamburger Kongresszentrum CCH zu Ende ging. 500 Teilnehmer und 250 wissenschaftlich-technische Vorträge wollten dazu beitragen, das deutsche Luftfahrt-Cluster zu stärken, das an der Elbe sein Eldorado hat. Das Netzwerk besteht aus Airbus/EADS, dutzenden mittelständischen Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen als öffentlich-private Partnerschaften (PPP). Mit 36 000 Beschäftigten gehört das von der Bundesregierung geförderte Cluster um Hamburg weltweit zu den drei größten Standorten der Luftfahrtindustrie.

Der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze (CDU), versprach, das Netzwerk zwischen Politik und Wirtschaft weiter auszubauen. Im Unterschied zur britischen Regierung wolle Berlin »Forschung, Entwicklung und Industrie im Land halten«. Die Luft- und Raumfahrt, deren Schwerpunkte in Nord- und Süddeutschland sowie in Brandenburg liegen, gilt dabei als Leuchtturm. Hintze kündigte an, die Fördermittel im Milliardenbereich aufzustocken und im Herbst ein »Nationales Raumfahrtprogramm« vorzulegen. Dies wird auch mit außenpolitischen und militärischen Interessen begründet.

Während die Bundeswehrsparpläne noch Sorgen bereiten, hebt die zivile Luftfahrt nach der Krise wieder steil ab. Für die nächste Dekade erwartet DGLR-Präsident Müller-Wiesner ein Wachstum im Flugverkehrs um jährlich drei bis fünf Prozent – in 15 Jahren werde sich der Flugverkehr verdoppeln. Doch dieses Wachstum soll weitgehend CO2-neutral geschehen. Dazu werden Flieger durch CFK-Werkstoffe leichter, um dann weniger Sprit zu verbrennen. Zudem wird mit Wasserstoff, Brennstoffzellen und Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen experimentiert. Die ersten Flüge mit reinem Biosprit aus Algen haben im Sommer stattgefunden.

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