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Große Klappe, kurze Beine

Die Berliner Nonsense-Band »The Toten Crackhuren im Kofferraum« mit neuem Album

Von Matthias von Viereck, dpa

Was für ein Bandname! »The Toten Crackhuren im Kofferraum« sind die Sommerüberraschung aus Berlin: drei Sängerinnen, fünf Tänzerinnen sowie, im Hintergrund, drei Jungs, die für die instrumentale Begleitung sorgen. Musikalisch siedelt die grell-bunte Mädchen-Truppe irgendwo zwischen Punk, Electro, Disco, Neuer Deutscher Welle und Spaßpop wie man ihn etwa von Bonaparte oder der Hip-Hop-Combo K.I.Z. kennt. Die Crackhuren agieren unter Fantasienamen wie Luise Fuckface, Kristeenager oder Netja Triebeltäter. An diesem Freitag erscheint mit »Jung, Talentlos & Gecastet« das Debütalbum der Gruppe.

»Die Band wurde nicht gegründet, um Musik zu machen, daran hatten wir überhaupt nicht gedacht, sondern nur um erzählen zu können, dass wir eine Band haben und um Typen aufzureißen und Bier zu schnorren«, erzählt Frontfrau Luise Fuckface. »Das war 2006 auf einem Balkon und es war sehr alkohollastig.« Allzu ernst sollte man das anarchische, teils aber auch sehr unterhaltsame Treiben der Crackhuren denn auch nicht nehmen. Das Motto der Berliner Mädels jedenfalls ist eindeutig: »Ohne Proben ganz nach oben.«

Vor allem Nonsens wird groß geschrieben bei den Crackhuren. Mit politischen Texten haben die Girls nichts am Hut. »Das würde niemals funktionieren«, vermutet Luise Fuckface, »das würden die Leute uns nicht glauben«.

Auch live sind die jungen Frauen keine Kinder von Traurigkeit. Auf der Bühne präsentiert sich das Elferteam als quirliger, in Tüten und Klebebänder gewandeter Haufen. »Für unsere Bühnenkostüme nutzen wir eigentlich nur Müll«, erklärt Luise Fuckface. Mit Rettungsdecken aus der Apotheke hat man sich zudem Flügel gebastelt. Zu den Konzerten, so berichten die Crackhuren, kommen vor allem Jungs und »meist noch minderjährige Mädchen«, es gehe aber hoch bis zum »Altpunker Anfang fuffzig«. Ein Vorbild der Crackhuren ist Nina Hagen.

Unterschätzen indes sollte man die Crackhuren ob ihrer bisweilen prolligen Art nicht. »Ich studiere nebenbei Archäologie«, berichtet etwa die zurückhaltende Kristeenager, während Netja Triebeltäter erzählt, dass sie ehrenamtlich mit behinderten Kindern arbeitet. Typisch berlinerisch an der Band aber, finden die Crackhuren, sei vor allem dies: »große Klappe, kurze Beine«. Im Moment allerdings stehen die Zeichen dafür gut, dass die kurzen Beine der Toten Crackhuren sie noch recht weit tragen.

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