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Rückkehr der Politik

Britische Tories bleiben obenauf – noch

  • Von Ian King, London
  • Lesedauer: 3 Min.
Für David und Samantha Cameron eine Tochter, für Tony Blair ein Buch aber kein Geld, für Labour ein Machtkampf und für Regierungssprecher Andy Coulson unliebsame Enthüllungen: Nach der Sommerpause hat Großbritannien seine politische Klasse wieder.

David Camerons Jüngste, Florence, muss sich wegen der Geburt im Urlaub in Cornwall zeitlebens mit dem Mittelnamen »Endellion« quälen, der auf den Namen eines Dorfes in der Urlaubsregion der Camerons zurück geht. Vielleicht ist der Zusatzname mit Bedacht gewählt: Auf der südwestenglischen Halbinsel wollen die Konservativen ihren liberalen Partnern ein paar Wahlkreise abjagen.

»A Journey«, »Eine Reise«, lautet der Titel der Memoiren des früheren britischen Premiers und Labour-Chefs Tony Blair. Das Buch verkauft sich gut. Wohl, weil alle seine Kritiker nachschlagen wollen, wie schlecht sie wegkommen. Der Schurke im Buch ist der Mitbegründer von New Labour und jahrelange Mitstreiter Blairs Gordon Brown, dessen angeblicher Linksschwenk der Partei 2010 die Wiederwahl vermasselt haben soll. Dass Labour schon unter Blair Millionen einst überzeugter Wähler abhanden kamen, dass Blair dreimal Unterhausmehrheiten nicht dazu nutzte, die Gesellschaft zugunsten der Unterprivilegierten umzukrempeln, dass in Irak und Afghanistan Hunderttausende gestorben sind, soll kein Leser merken. Auf dem Planeten Blair ist alles anders. So sehr anders, dass der geschäftstüchtige Politrentner seine Buchhonorare der British Legion überschreiben hat, einer karitativen Organisation, die für verwundete Soldaten sorgt.

Blairs politisches Erbe dünkt ihm indes bei Außenminister a.D. David Miliband am besten aufgehoben, der immerhin zweimal gegen Premier Brown putschen wollte. Andererseits könnte eine direkte Empfehlung von Labours Münchhausen dem damit Geehrten bei den Mitgliedern, die derzeit über ihre Parteispitze abstimmen, mehr schaden als nützen.

Blairs »Reise« erreichte die Buchläden am gleichen Morgen wie die Labour-Mitglieder ihre Wahlzettel. Hier scheint alles auf einen Bruderzwist im Hause Miliband zuzulaufen, wobei der sich Mitte links gebende ehemalige Umweltminister Ed sich von New Labours neoliberalen Erbsünden lossagte und daraufhin vom Blair-Intimus Lord Peter Mandelson beschimpft wurde. Was Ed trotzdem nicht zum Lieblingskandidaten seiner Mutter macht: Diese bevorzugt die linke Kriegsgegnerin Diane Abbott. Am 25. September wird das Abstimmungsergebnis verkündet.

Noch vorher dürfte sich das Schicksal des journalistischen Haudegens Andy Coulson entschieden haben. Coulson musste schon einmal einen Karriereknick erleben, als Chefredakteur des Revolverblattes »News of the World« trat er zurück, als zwei seiner Reporter wegen illegalen Abhörens von Promi-Telefonen ins Gefängnis mussten. David Cameron störte das nicht, zumal Coulson seine Unschuld beteuerte; der aalglatte Sonnyboy ernannte Coulson im Mai zum Regierungssprecher. Dass die »New York Times« und die BBC jetzt mit Zeugen aufwarten, die bestätigen, dass Coulson vom Abhören nicht nur gewusst, sondern die Methode regelrecht gefordert habe, verstärkt nun den Druck auf den Premier.

Noch dauert Camerons Schonfrist an, noch führen die Tories in den Umfragen. Aber die angekündigten Kürzungen im Sozial- und Bildungsbereich sind bislang nicht durchgeführt worden und die Opposition ist führerlos. Auf Dauer dürfte Kinderzeugen dem Premier keine Wahlsiege garantieren.

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