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»Rote Karte« für Unternehmen

Umwelthilfe kritisiert Geheimniskrämerei um den CO2-Ausstoß von Dienstwagen

Die Deutsche Umwelthilfe veröffentlichte am Freitag die erste Umfrage zum »CO2-Ausstoß der Dienstwagenflotten deutscher Unternehmen«. Die meisten Firmen verweigerten die Aussage, insbesondere zu Vorstandslimousinen.

Verantwortung für den Klimaschutz übernehmen, eine nachhaltige Entwicklung fördern – viele deutsche Unternehmen schreiben sich derartige Ziele auf ihre bunten PR-Fahnen. Die Realität sieht dagegen recht trübe aus, genauer gesagt: undurchsichtig. Wie betriebsintern mit den hehren Vorsätzen umgegangen wird, bleibt fragwürdig. Das zeigen die Umfrageergebnisse der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Der Verein hatte 115 börsennotierte Unternehmen zum CO2-Ausstoß ihrer Dienstwagen und den Klimaschutzstrategien ihrer jeweiligen Firmenwagenflotte befragt.

»Das Ergebnis war für uns überraschend niederschmetternd«, sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Gerade einmal 17 Unternehmen legten die gewünschten Daten offen und erhielten dafür die »Grüne Karte«. An 88 Unternehmen verteilte die DUH die »Rote Karte« für »nachhaltige Intransparenz und undurchsichtige Klimaschutzziele«. Die zehn Firmen, die zumindest den Durchschnittswert ihrer gesamten Dienstwagenflotte angegeben hatten, kamen mit einer »Gelben Karte« davon. Der Verein hatte sowohl nach dem durchschnittlichen CO2-Ausstoß aller Firmenautos als auch nach dem Durchschnittswert der Vorstandswagen gefragt. Zudem wurden der Fahrzeugtyp der Vorstandsvorsitzenden und dessen CO2-Emission gesondert betrachtet.

»Vorstände und Topmanager sollten mit gutem Beispiel vorangehen und ausnahmslos Fahrzeuge einsetzen, die den EU-Zielwert 140 Gramm CO2/km für das Jahr 2008 unterschreiten«, forderte Resch. Dass dieser Wunsch weit von der Wirklichkeit entfernt ist, legen die ermittelten Zahlen nahe. Die CO2-Emission der Vorstandswagen liegt weit über dem Verbrauch der gesamten Flotte und zudem über dem genannten EU-Richtwert. Allein der Dienstwagen von Andreas Hänel, Vorstandsvorsitzender der Phoenix Solar AG, lag mit 129 Gramm CO2/km darunter. Zu den Spitzenreitern in puncto Klimaverträglichkeit gehört das Solarunternehmen mit einem Wert von 127 Gramm CO2/km auch bei den Emissionen der Firmenflotte. Es geht damit als Gesamtsieger aus der Umfrage hervor.

Doch auch die Durchschnittwerte der Deutschen Bahn AG mit 125 Gramm CO2/km und des Telekommunikationsunternehmens QSC AG mit 123 Gramm CO2/km unterschreiten schon heute den EU-Zielwert von 130 Gramm CO2/km für 2015.

Letztlich hat die Verweigerungshaltung der Unternehmen dazu geführt, dass die DUH eher die Transparenz der Firmen bewertet hat, als die Klimafreundlichkeit ihrer Dienstwagen. Denn die »Grüne Karte« erhielten auch Firmen wie die Deutsche Euroshop AG, deren durchschnittlicher CO2-Ausstoß bei 191 Gramm/km liegt, der des Vorsitzenden-Dienstwagens gar bei schwindelerregenden 236 Gramm CO2/km. Zudem wurden Firmen, die überhaupt eine Klimaschutzstrategie benennen konnten, schnell als »Best-Practice-Beispiele« herangezogen. Darunter die IVG Immobilien AG, deren Strategie darin besteht, Maximalwerte für die CO2-Emission nach Vergütungsgruppen zu staffeln. Sprich: Der Vorstandswagen darf 200 Gramm CO2/km ausstoßen, der des niedrigsten Angestellten höchstens 159 Gramm/km. Eine vorbildliche Firmenpolitik sieht anders aus.

Die DUH geht davon aus, dass »sich die Mehrheit der Unternehmen noch gar keine Gedanken über die Vorbildfunktion des CO2-Ausstoßes der Autos ihrer Vorstandspräsidenten gemacht« hat. Schlimm genug. Es bleibt zu hoffen, dass sich dies bald ändert. Denn die Umfrage soll nun jährlich durchgeführt und im Internet dokumentiert werden.

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