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»Man muss ein für alle Mal mit der Vorstellung aufräumen, dass Kuba das einzige Land auf der Welt ist, in dem man leben kann, ohne zu arbeiten.« Den scharfen Worten, die Raúl Castro Ende Juli im Parlament fand, werden nun Taten folgen: Zug um Zug sollen eine Million Staatsbedienstete auf die Straße gesetzt werden. Offenbar muss Luft aus dem aufgeblähten Staatssektor gelassen werden, weil die Staatsfinanzen die Alimentierung so vieler Staatsdiener nicht mehr zulassen. Das ist ein deutliches Krisenzeichen. Im kleingewerblichen Privatsektor sollen die Entlassenen ihr Auskommen finden. Ein in dieser Größenordnung für Kuba bisher beispielloses Experiment.

Die kubanische Regierung hat bisher Privatinitiative wie freie Bauernmärkte oder Kleinunternehmertum immer nur zugelassen, wenn die ökonomische Notwendigkeit keinen anderen Ausweg ließ. Sobald sich die Lage oberflächlich entspannte, wurden die Zügel wieder angezogen. Aus Angst davor, dass die Marktkräfte mittels Privatinitiative die relative Egalität der Gesellschaft, das Fundament der Revolution, untergraben. Diese Angst ist nicht unbegründet. Doch auch in Kuba ist Angst ein schlechter Ratgeber. Wo Initiative nicht gefördert wird, entsteht keine Dynamik, weder wirtschaftlich noch gesellschaftlich. Ob diese Erkenntnis in Kuba nun handlungsleitend ist, bleibt offen. Bisher war sie es nicht.

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