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Mit Kescher und Kamera

Ehrenamtliche liefern Daten über Bestand der Tagfalter in Deutschland / Dr. Elisabeth Rieger (Jahrgang 1945) arbeitet ehrenamtlich beim Tagfaltermonitoring mit

ND: Sie sind eine von vielen Zählern beim bundesweiten Tagfaltermonitoring. Was muss man sich darunter vorstellen und wozu sind solche Zählungen gut?
Rieger: Es ist die wöchentliche Zählung der Falter in einem festgelegten Abschnitt, dem sogenannten Transekt, das aus mehreren Abschnitten besteht. Es gibt Vorgaben, unter welchen Witterungsbedingungen gezählt werden kann und wie groß der »Korridor« ist, in dem alle Falter erfasst werden.

Diese Zählungen werden wöchentlich von April bis September von vielen Ehrenamtlichen bundesweit durchgeführt. Es ist ein langfristig angelegtes Projekt, welches zum Ziel hat, Einflüsse der Umwelt über einen längeren Zeitraum aufzuzeigen. So können die langfristige Bestandsentwicklung der einzelnen Arten aufgezeigt und die bisher beobachteten Rückgänge durch die entsprechenden Ursachen belegt werden. Tagfalter reagieren empfindlich auf Umweltveränderungen.

Wer bekommt die Daten?
Die Daten bekommt das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle. Dort werden alle Daten ausgewertet. Das Projekt läuft seit 2005. Ähnliche Projekte gibt es auch in anderen Ländern.

Wie viele Zähler gibt es bundesweit bzw. in Sachsen?
Nach aktuellen Informationen vom UFZ betreut das Umweltforschungszentrum derzeit 473 Transektzähler mit insgesamt 583 Transekten. Dazu kommen etwa 150 Zähler aus Nordrhein- Westfalen. In Sachsen gibt es 51 Zähler, die 62 Transekte betreuen.

Seit wann zählen Sie, wie lang ist Ihre Strecke?
Ich zähle seit 2006, mein Transekt ist 650 Meter lang und besteht aus 13 Abschnitten zu je 50 Metern. Es ist sehr schön gelegen, abseits jeder Besiedlung in einem Tal nahe der tschechischen Grenze im Oberlausitzer Bergland.

Wie viele Arten gibt es in ihrem Gebiet und wie hoch ist der Anteil geschützter Arten?
Aktuell sind es 43 Tagfalterarten, einschließlich der tagaktiven Widderchen. Davon sind 20 Arten, also fast die Hälfte, in Sachsen und/oder bundesweit geschützt. Dazu zählen z. B. die beiden Schillerfalter-Arten, der Dukatenfalter und der seltene Ulmen-Zipfelfalter.

Hat die Klimaerwärmung Auswirkungen auf die Tagfalter?
Das kann man eindeutig bejahen, auch wenn sich das für mein Transekt nach so kurzer Zeit nicht sagen lässt. Nach meinen eigenen Aufzeichnungen hat sich in den letzten vier Jahren hier im Gebiet die Tagesmitteltemperatur um ein Grad gegenüber dem langjährigen Mittel erhöht. Die Winter waren teilweise sehr mild, die Niederschläge verlagern sich zunehmend in die Sommermonate.

Andere Autoren berichten von einer Vorverlegung der Flugzeiten von fünf bis zehn Tagen, die ursächlich mit milden Witterungsverläufen zu erklären sind. Ebenfalls nimmt die Anzahl der Generationen innerhalb einer Art zu, die jährlich ausgebildet werden. Wenn bereits vorliegende Modellrechnungen zutreffen, kommt es zu einer Wanderung vieler in Mitteleuropa heimischer Arten in die skandinavischen Länder.

Weltweit liegt es in der Hand der Menschen, diesen Prozess aufzuhalten, auch in unserem eigenen Interesse. Denn wir brauchen die Natur, sie aber braucht uns nicht!

Fragen: Wolfgang Schmidt
Im Internet: www.tagfalter-monitoring.de

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